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dann erst die Mittel, durch welche diese Eigenschaften am unzwei- deutigsten zum Ausdruck kämen. Daher sind seine Charaktere auch im allgemeinen höchst einfach. Sie nähern sich dem Typischen. Verwickelte, widerspruchsvolle Charaktere, Charakterprobleme sind Schillers Sache nicht. Und sie handeln gewöhnlich nicht etwa wie die Durchschnittsmenschen nach unklaren Instinkten, sondern viel- mehr nach bewußten Grundsätzen, die sie auch immer selbst aus- sprechen u. zw. in einer Sprache, die lediglich dem auszudrückenden Gegenstand, nicht aber der sprechenden Person angepaßt ist. Als Beleg hiefür diene uns die Rede des kleinen Walter Tell, da er an einen Baum gebunden werden soll, damit er sich während des
Schusses ruhig halte: Wilhelm. Tell III. 3.:
Mich binden! Nein, ich will nicht gebunden sein. Ich will Still halten wie ein Lamm und auch nicht athmen. Wenn ihr mich bindet, nein, so kann ich’s nicht, So werd' ich toben gegen meine Bande.
Man siecht recht deutlich, was Schiller wollte. Einen jugend- lichen Freiheitshelden wollte er zeichnen, einen würdigen Zukunfts- bürger der freien Schweiz; aber die Art, wie sich das Freiheits- gefühl in ihm äußert, hat absolut nichts Kindliches und insbesonders störend ist die Drohung, daß er justament nicht stille halten werde, ja, nicht stille halten könne, wenn er zu diesem Zwecke an einen Baum gebunden werde, und selbst auf die Gefahr hin, daß er und der Vater deshalb zugrunde gehen müßten. Konsequenterweise dürfte der junge Mann nie einen Gletscher besteigen, weil er sich sonst ja auch an ein Seil binden lassen müßte, um nicht zu stürzen.
Nur eine Dichtung Schillers bildet hievon in gewisser Hinsicht eine Ausnahme, diejenige nämlich, in der er überhaupt am meisten aus sich selbst herausgegangen ist, die Wallensteintrilogie und in dieser wieder hauptsächlich die Figur des Oktavio Piecolomini.
Über keine von allen seinen Gestalten gehen die Meinungen so weit auseinander, wie über diese. Die Frage ist hier nicht bloß, ob uns der Dichter diese Figur im richtigen Lichte zeigt, ob die Gefühle, die er für sie erwecken will, auch berechtigt sind, wir sind vielmehr auch darüber nicht im reinen, was für Gefühle er erwecken wollte.
Und da ist es nun gewiß eine dankenswerte Aufgabe, diese verschiedenen Meinungen 1. einander gegenüberzustellen, 2. gegen einander abzuwägen und 3. die Abweichungen zu erklüren, interessant besonders auch deshalb, weil sich hiebei


