Aufsatz 
Die Figur des Oktavio Piccolomini in Schillers Wallenstein
Entstehung
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als das Schlechte u. zw. mit voller Uberzeugung, ja ich möchte fast sagen mit vollem Rechte, insofern diese beiden Begriffe: Schädlich und Schlecht im Urzustande ja zusammenfielen und auch notwendig einander umso näher rücken, je mehr sich der Mensch diesem Ur- zustande nähert, vor allem also im Kampf ums Dasein.

Aus dem Gesagten ist nun leicht zu entnehmen, warum und inwiefern über eine bloß erdichtete Person im allgemeinen die Mein- ungen weniger auseinandergehen. Einmal liegt hier allen Beurteilern genau das gleiche Aktenmaterial vor, nämlich die betreffende Dichtung; und dann ist dieses Aktenmaterial von vorneherein nach Inhalt und Form darauf angelegt, uns ein bestimmtes und richtiges Urteil zu erleichtern, während das Aktenmaterial, das von lebenden Personen zu ihrer Beurteilung geliefert wird, im allgemeinen die entgegen- gesetzte Tendenz zeigt. Gleichwie der Chemiker den zu analy- sierenden Körper in eine solche Umgebung bringt, in der sich sein Wesen und seine Eigenart am unzweideutigsten verrät, so wird auch der Dichter seine Personen vornehmlich in solche Situationen bringen, in denen ihr Charakter am deutlichsten und unverfälschtesten zutage tritt, und er ist hierin nur insofern beschränkt, als ein Kunstwerk uns als ein ungezwungenes Abbild des Lebens und nicht als ein mit Absicht veranstaltetes wissenschaftliches Experiment anmuten soll.

Wie weit aber der Dichter hierin gehen darf, das ist eine Frage, die mit der Frage nach dem Wesen der Kunst überhaupt, zusammenhängt und schon oft die beteiligten Kreise in zwei feind- liche Heerlager gespalten hat. Diejenigen, welche von der Kunst vor allem verlangen, daß sie ein möglichst treues Abbild der Wirk- lichkeit sei, verwerfen z. B. den Monolog im Drama, da in Wirk- lichkeit ja niemand mit sich selbst laut spreche. Wer dagegen mit seiner Poesie vor allem nach unserem Herzen zielt und diesem eine Gelegenheit zu verschaffen sucht, sich so recht in seiner Weise in Haß und Liebe und in seinen verschiedenen anderen Regungen zu betätigen, der wird vor allem darauf bedacht sein müssen, uns einen tiefen Einblick in das innerste Wesen seiner Helden zu erschließen und zu diesem Zwecke mit Vorliebe den Monolog als das geeignetste, ja manchmal das einzig geeignete Mittel in Anwendung bringen.

Ein Dichter dieser letzteren Art ist nun unser Schiller, ja vielleicht Schiller mehr als jeder andere. Man könnte ohne viel Übertreibung behaupten, daß er sich allemal zunächst über den Ein- druck klar gewesen ist, den er mit irgend einer Figur hervorbringen wollte, und dann erst die Eigenschaften ausfindig zu machen suchte, die am geeignetsten wären, diesen Eindruck hervorzubringen, und