Aufsatz 
Frankreich und seine Bevölkerung / von L. Hölting
Entstehung
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Wachsen begriffen. Sorgen wir dafür, dass diese Hoffnung und Garantie unserer Zukunft nicht gefährdet werde durch die talentlose Masse, welcher einemilde Praxis nur zu leicht die Thüre öffnet, umgünstige Resultate aufzeigen zu können, und es mit einflussreichen Eltern und Patronen nicht zu verderben, oder auch wohl, wie wir gern annehmen wollen, durch ein blosses Uebermaass von Gutmüthigkeit getrieben. Lassen wir uns dabei das gute Wort gesagt sein, an welches die philosophische Facultät zu Königsberg ihr den Realschulen günstiges Votum knüpft:Die Abiturienten der Realschulen erster Ordnung sind zu den Fachstudien der philosophischen Facultät zuzulassen, jedoch unter der Voraussetzung und Bedingung, dass auf diesen Schulen der Unterricht in den neueren Sprachen, in Gründlich- keit und Wissenschaftlichkeit, auf eine den jctzigen gewöhnlichen Zustand überragende Höhe gehoben werde ferner, dass die Bildungselemente der Literatur und Geschichte gleichfalls in diesen Realschulen mit grösserer Energie zur Geltung gebracht werden.

Damit das aber geschehen könne, bedürfen wir nicht sowohl einer grösseren Zahl von Lehrstunden, als, bei selbstverständlich energischer und wissenschaftlicher Arbeit unsrerseits, der Fernhaltung eines Ballastes unfähiger Schüler von unsern oberen Classen.(In den untern und mittleren wird aus naheliegenden Gründen keine Schule sie jemals los.) Auf diesem Wege, aber auch nur auf diesem, werden wir jenen Zustand erreichen, und dann auch staatlich anerkannt sehen, der unser Ziel ist, und den dieselbe Facultät am Schlusse ihres oben citirten Gutachtens so trefflich bezeichnet:

Wenn der Staat zweierlei Anstalten für den höheren Unterricht hat, in deren einer mehr Nachdruck auf die alten Sprachen, in der andern immerhin etwas mehr Nachdruck auf die exacten Wissenschaften und statt der alten Sprachen auf die neueren gelegt wird, dann hat er seinerseits die zeitgemässen Forderungen erfüllt. Dann mag Jeder nach Neigung seine Bildung in der einen oder der andern suchen, und wenn er mit Ausdauer und Erfolg bis zur Abiturienten-Prüfung gelangt ist, dann seinen weitern Weg auf der Universität nicht durch Schranken und Hindernisse verwehrt finden. Der Staat aber mag der ängstlichen Nachfrage überhoben sein, auf welchem Wege Jeder seine Kenntnisse erwerbe, den Nachweis aber der zum Staatsdienst nothwendig erachteten Kenntnisse jedesmal vin einer angemessenen und sorgfältig ausgeführten Staatsprüfung finden.

Zur Erreichung dieses Zieles wird denn auch die Casseler Realschule erster Ordnung in ihrem Kreise nach Kräften beizutragen suchen. Sie wird sich bestreben, in den untern und mittleren Classen der grossen Mehrzahl der Schüler, neben einer sittlich erziehenden Anregung, die für die gewöhnliche Sphäre des bürgerlichen Arbeits- und Geschäftslebens ausreichenden Kenntnisse und Fertigkeiten zu gewähren, ihre höheren Classen aber nur fleissigen und befähigten Schülern offen zu halten, denen es ernstlich um eine gründliche, humane Bildung, unter Bevorzugung des Studiums der mathematischen und Naturwissenschaften und der neuern Sprachen zu thun ist. Die Realschule erster Ordnung ist weder eine Gewerbeschule noch eine Schnellpresse für einjährige Freiwillige, sondern lediglich eine Pflanz- und Pflegestätte der Humanität, der Sittlichkeit, des patriotischen Bürgersinnes, des selbstständigen Denkens, der wissenschaftlichen, nach Erkenntniss der Wahrheit ohne Nebenrücksichten trachtenden Geistesarbeit. Sie unterscheidet sich vom Gymnasium nicht durch leichtere und bequemere Anforderungen, sondern nur durch