Aufsatz 
Frankreich und seine Bevölkerung / von L. Hölting
Entstehung
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heimsucht, und die um so schwerer ins Gewicht fallen, da ihre natürliche Schwäche durch einen von dem Lehrplane der Realschule vielfach verschiedenen Gang ihres bisherigen Unterrichts oft für die erste Zeit bis zu vollständiger Hülflosigkeit gesteigert wird. Und wenn es sich nur um die vergebliche Mühe der Lehrer handelte, oder wenm die Sache damit abgethan wäre, dass eine Menge für die Real-Disciplinen vielleicht gut beanlagter Knaben sich neun Jahre lang im Gymnasium widerwillig mit den alten Sprachen plagen müssen, um dereinst die Erlaubniss zur Cultivirung ihres Talents und zu dessen Geltend- machung im Staat zu erwerben, während die Lehrer der Realschulen ihren naturwissen- schaftlichen und mathematischen Unterricht, der jenen sehr erwünscht käme, verdrossenen Aspiranten des einjährigen Freiwilligendienstes, verdorbenen Gymnasiasten und sonst den schwächer beanlagten Söhnen guter Familien aufdrängen müssen! Die viel schlimmere Gefahr bei diesem Zustande der Dinge bleibt immer noch die ihr anhaftende Versuchung zurmilden Praxis, diesem wahren Krebsschaden jeder höheren Lehranstalt, wie jedes auf tüchtige Anspannung vorhandener Kräfte angewiesenen menschlichen Thuns. Man stelle sich wie man will; man nehme es noch so ernst mit dem Lehrplan und der Prüfungsordnung: auf die Länge bleibt das Maass des unter den gegebenen Umständen an der Mehrzahl der Schüler wirklich Erreichbaren doch nur zu oft nicht ohne Einfluss auf die Handhabung des Gesetzes, und die einem feindlichen Vorurtheile entstammende Zurücksetzung erzeugt schliess- lich hie und da einen Theil der Uebelstände, von deren willkürlicher Annahme sie ausging. Hier nun, auf diesem springenden Punkte der ganzen Frage, hat unserer Ansicht nach die Realschule ihre Kraft zu concentriren und den Hebel einzusetzen, wenn sie aus dem fehler- haften Cirkel der jetzigen Verhältnisse herauskommen will; hier gilt es nicht nur Ausdauer und Selbstüberwindung, sondern auch eiserne Festigkeit gegen unberechtigte Anforderungen und Vorwürfe, und gegen die Verlockungen der den Compromiss suchenden Ermüdung. Es kommt uns gar nicht darauf an, eine Menge von Studenten zu erziehen,(tüchtige Kaufleute, Landwirthe, Techniker, Officiere werden unserm Wirken immer die natürlichsten und uns liebsten Zeugnisse ausstellen) aber sehr kommt es uns darauf an, für die von uns vertretene und dem Gemeinwohl nothwendige Bildungsrichtung auch die tüchtigen, von Natur für sie geeigneten Krüfte wirklich zu gewinnen, an denen unser Lehrplan das Gute wirken kann, welches zu wirken er überhaupt fähig ist; es kommt uns darauf an, die modernen Bildungs- elemente in der begabten deutschen Jugend neben den klassisch-antiken zur Wirkung zu bringen, weil sie für die Vollendung der grossen Culturarbeit unseres Volkes nicht entbehrt werden können. Und darum dürfen wir, soviel an uns ist, unsere Classen nimmermehr zu Asylen und Ablagerungsplätzen für die mit mehr oder weniger wohllhabenden undgebil- deten Eltern gesegnete Trägheit und Talentlosigkeit hergeben, darum dürfen wir nicht ruhen und rasten, bis, durch Eröffuung des Zutritts zu den Uniyersitätsstudien für unsere Abiturienten, der öffentlichen Meinung gegenüber die offcielle Marke der Inferiorität, der Unwissenschaftlichkeit von uns genommen und damit der letzte Rest des mittelalterlichen Zunftzwanges aus unserer Schulgesetzgebung entfernt ist. An einer gewissen Anzahl von Schülern, die aus wirklicher Neigung und mit tüchtiger Kraft ausgestattet, unsere Oberclassen benutzen, hat es uns trotz aller Ungunst der Verhältnisse, Gott sei Dank, niemals gefehlt, und diese Anzahl ist überall nicht im Abnehmen, sondern im, wenn auch nur allmählichen,