Aufsatz 
Frankreich und seine Bevölkerung / von L. Hölting
Entstehung
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leitung, ja einem nach ganz anderen Zielen hinarbeitenden Unterrichte zum Trotz, sich entwickeln können und auch entwickelt haben: verliert darum der natürliche Gang der Dinge, die Verbindung zwischen Ursache und Wirkung ihre Rechte? Für den Fortschritt der Wissenschaft an sich ist die Schule überhaupt von sehr geringer Bedeutung. Jene lebt und wächst durch einzelne hervorragende Geister, die ihren Weg schon zu finden wissen. Wir haben Copernicus und Kepler gehabt, als der mathematische Lehrplan unserer gelehrten Schulen noch nicht viel über die vier Species hinausging; und gesetzt, dass man ihn wieder auf die vier Species beschränkte, so würde das die Copernicus und Kepler künftiger Jahr- hunderte kaum unterdrücken. Desto nöthiger aber ist die Schule, wenn es darauf ankommt, dass die Wissenschaft ihre Segnungen in weiten Kreisen der Gesellschaft verbreite, und es scheint uns nicht wohlgethan, neue Kanäle der Bildung zu sperren, weil man ja seither auch ohne sie nicht verdurstet sei. Fair play! Ehrliche Concurrenz! Das ist Alles, was wir wünschen. Wenn wir in ihr nicht bestehen, dann wird es Zeit sein zu Urtheilen, wie z. B. das Votum der Berliner Universität sie ausspricht. Bis dahin aber thun absprechende Behauptungen, und wären sie von europäischen Namen unterschrieben, durchaus garnichts zur Sache.

Ganz abgesehen von dieser principiellen Bedeutung hat die angeregte Frage für die Realschulen, für die Lehrer, welche an ihnen arbeiten und für die Communen, welche sie erhalten, aber auch ihre eminent praktische Seite. Wir haben dabei nicht etwa die hie und da beklagte zu geringe Frequenz der obern Classen im Sinne. Es ist mit derselben erstens keineswegs so schlimm bestellt, wie es nach jenen Klagen wohl den Anschein haben könnte; aber wenn dem auch nicht so wäre, so könnte selbstverständlich das pecuniäre Interesse der Communen nicht maassgebend für eine wissenschaftliche und pädagogische Frage sein. Eine ganz andere Sache aber ist es mit der Einwirkung des gegenwärtig geltenden Privi- legiums der Gymnasial-Abiturienten auf das innere Leben der Realschule, auf die Verwerthung der in ihnen vorhandenen Lehrkräfte zum Nutzen der Jugend und der Gesellschaft. Wie die thatsächlichen Verhältnisse einmal liegen,(und mit ihnen, nicht mit Hypothesen und frommen Wünschen haben wir in praktischen Fragen zu rechnen) wird die Wahl der Schule, welche unsere Knaben besuchen sollen, sehr oft, wenn auch Gott sei Dank nicht immer, viel weniger durch Talent und Neigung der Zöglinge bedingt, als durch das Verhältniss der aufzuwendenden Mühe und Kosten zu den in Anssicht stehenden äusseren Vortheilen, den sogenannten Berechtigungen. Man bringt das Söhnchen, wenn es die Mittel irgend erlauben, zunächst in die vornehmste, mit den meisten Berechtigungen ausgestattete Schule. Zeigt der Junge sich da unfähig oder unlustig, so ist er für die wenigerberechtigte Anstalt immer noch gut genug, denn es will dem Durchschnittsbewusstsein des Publikums nun einmal nicht einleuchten, dass der Staat an zwei Kategorieen von Lehranstalten ganz gleiche Anforderungen in Bezug auf die Ausdehnung und Gründlichkeit ihrer Leistungen stellen könnte, ohne ihnen auch ein gleiches Recht zu gewähren. Wo eine wichtige Berech- tigung ohne Aequivalent fehlt, da muss es eben leichter sein; so schliesst der praktische, nicht akademisch geschulte Menschenverstand. Daher denn jene mala crux der Realschule, der Schrecken und die Noth ihrer strebsamen Lehrer, die Schaar derabgelegten Gym- nasiasten(man verzeihe das derbe Wort, es ist aber nur zu bezeichnend), mit der man uns