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eine andere, mehr der Natur und dem modernen Leben zugewandte Auswahl des Lehr- stoffes und eine demgemäss hie und da modificirte Methode. Das mögen Die, welche uns ihre Söhne anvertrauen, bedenken, und uns nicht die Schwächlinge zuführen, welche im Gymnasium nicht fortkommen können, sondern diejenigen Knaben, welche von vorne herein Neigung für einen praktischen Beruf und für die Studien unseres Lehrplans zeigen: oder, wenn sie uns dennoch als ultimum refugium für nicht versetzte Gymnasiasten betrachten, mögen sie sich weiter nicht wundern, im Falle sich später an dergleichen Schülern die schon oft vorgekommene Wahrnehmung wiederholt, dass„Abneigung gegen die alten Sprachen“ keineswegs gleichbedeutend ist mit Talent für die neuern und für die exacten Wissenschaften.
Von der hier entwickelten Ueberzeugung geleitet, dass nur gründliche und wissenschaft- liche Arbeit, nicht aber Haschen nach dem Schein äussern schnellen Erfolgs, das Gedeihen einer wissenschaftlichen Lehranstalt garantirt, haben wir, im Einverständniss mit der königl. Aufsichtsbehörde und dem Patronat der Anstalt, den ersten, ursprünglich auf ein Jahr, also bis Ostern 1870 berechneten Lehrcursus um ein Semester verlängert. Wir glauben, Ange- sichts des gegenwärtigen Zustandes der bei Gründung der Schule bunt genug zusammen gesetzten Classen Ursache zu haben, zu diesem Entschlusse uns Glück zu wünschen, und werden ferner, damit diese ersten Ergebnisse sich gedeihlich entwickeln, bei Aufnahme und Versetzungen mit gewissenhafter Sorgfalt verfahren. So hoffen wir, mit Gottes Hülfe, und der gütigen und sachgemässen Unterstützung der königlichen und städtischen Behörden, sowie des Verständnisses und der Zustimmung der ehrenwerthen, auf allen Lebensgebieten um gediegenen Fortschritt bemühten Einwohnerschaft Cassels gewiss, unsere junge Austalt zu einer Pflegestätte deutscher Sittlichkeit, deutschen Bürgersinnes und deutscher Wissen- schaftlichkeit zu machen, und ihr, in ihrem bescheidenen Wirkungskreise, einen Antheil an der deutschen Culturarbeit zu sichern, welche die wunderbaren, äussern Erfolge dieses grossen, denkwürdigen Jahres, demnächst, so Gott will, glänzend rechtfertigen und fruchtbar machen wird
F. Kreyssig.


