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Aquitanien sich bildete, dessen Name zu„Guyenne“ verdorben ist. Als die Engländer das Land eroberten, schickten sie Truppen und Verwaltungsbeamte hin, machten aber nie den Versuch, das Land zu anglisiren. Schon nach einigen Generationen war von der Nach- kommenschaft der Engländer keine Spur mehr übrig.
Mit Frankreich vereinigt zeigte die Guyenne grosse Unabhängigkeitsliebe und leistete trotzigen Widerstand gegen die königliche Macht. Hier fand die Ligue du bien public unter Louis XI. ihren Boden und der Calvinismus eine Pflanzstätte. Bekannt sind die in den Religionsfehden namentlich vom Katholiken Montluc und vom Protestanten des Adrets zahlreich begangenen Grausamkeiten.
Das fortwährende Ankämpfen gegen die monarchische Centralisation war bei einem so intelligenten Volke und der weiten Entfernung von Paris sehr natürlich. Bordeaux war hierfür der Mittelpunkt. Seine glückliche Lage und grosse Thätigkeit zur See machten es zugleich zur Hauptstadt für die französischen Colonieen in Amerika. Die Stadt bedeckte sich mit prächtigen Bauten, wie ehemals Venedig, und erlangte die alte Pracht aus römischer Zeit wieder. Die Guyenne änderte ihren Charakter im Laufe der Jahrhunderte nicht, sie schickte ihre edelsten Söhne, die Girondisten, während der Revolution nach Paris, um das alte gallische Föderativsystem wieder zu verlangen. Es fehlte diesen leidenschaftlichen, beredten Männern leider an Thatkraft, und so mussten sie der Bergpartei unterliegen.
Der Unterschied der Interessen zwischen Nord und Süd, zwischen den Fabrikanten und den Weinproducenten, sowie die Verschiedenheit des Klima's führte noch vor 30 Jahren zu Reclamationen und Vorwürfen im Süden, die noch nicht ganz beseitigt sind und erst mit der vollständigen Vernichtung des Schutzzöllnersystems verschwinden werden.
Die Sprache, der langue d'oc angehörig, bietet im Norden(patois périgourdin) wenig Bemerkenswerthes; sie ist sehr gemischt in Bordeaux, in Agen dagegen sehr rein und wohl- lautend. Der dialecte agénais, im ganzen Garonnethale bis zur Dordogne im Norden ge- sprochen, formt sich im Süden um und geht in das Spanische über(patois béarnais und armagnac). Die glänzende Epoche der Troubadours(école d'Aquitaine) hat einst in Toulouse und Agen eine lebhafte und schöne Sprache geschaffen, die jedoch durch die Oberherrschaft der langue d'oil zum Patois herabgedrückt wurde. Wäre die Schulbildung eine bessere, so dürfte bald jede Spur der langue d'oc hier verwischt sein. Die Regierung würde keine grossen Anstrengungen zu machen brauchen, um den Volksunterricht unter diesem zwar leidenschaftlich erregbaren, aber begabten Menschenschlage in angemessener Weise zu heben.
Die Bewohner der Guyenne sind feine, gutmüthige und gastfreundschaftliche Menschen, welche die alte gallische Poesie und Beredtsamkeit bewahrt haben, wie ihre Landsleute Fénélon, Montaigne, Montesquieu, La Boétie und die Girondisten zeigen.
Gascogne.
Den Grundstock der Bevölkerung bildeten Aramäer, die Aquitani(Aquitania Wasserland), deren Gebiet von den Römern auch Neunvölkerland(Novempopulania) genannt wurde. Diese neun Völkerstämme sind die Vasates(Bazas); Tarusates, Hauptstadt Atures(Aire im Armagnac);


