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Guyenne.
Im Norden sassen kymrisirte Gallier, die Petrocorii(Périgord), im Westen hatten die Bituriges, Vivisci, aus dem Berry kommend, eine Niederlassung mit der Hauptstadt Burdigala (Bordeaux) gegründet. Ebendaher wanderten andere Gallier, die Boii, ein, ihre Hauptstadt war Testa Boiorum(Teste de Buch). Im Mittelpunkte liessen sich unter dem Schutze der Arverner folgende gallische Völkerschaften nieder:
1) Nitiobriges, Hauptstadt Aginnium(Agen);
2) Cadurci(Quercy), Hauptstadt Divona(Cahors);
3) Ruteni(Rouerne und Albigeois), Hauptstadt Segodunum(Rhodez) und Albiga (Albi im Languedoc).
Die Bevölkerung der Guyenne war also ursprünglich gallischer Abstammung, sie ver- mischte sich aber zur Zeit ihrer Niederlassung mit den Basken der benachbarten Gascogne. Daher vielfache Abstufungen und Uebergänge in Folge der Vermischung des aramäischen und arischen Typus. Der Kopf ist oval, die Stirn ziemlich hoch, die Haare sind blond bis schwarz. Bei mittelstarker Muskulatur erreichen die Bewohner eine mittlere Grösse, ihre Gesichtsfarbe ist dunkel. Bei dem heissen und wohlthuenden Klima ihres Landes, das der Entwickelung ihrer Anlagen äusserst günstig war, gräcisirten oder romanisirten sie sich schnell. Die Römer warfen ihnen Treulosigkeit, Zorn und Rauhheit des Charakters vor. Der Einfluss des griechischen Marseille und des romanischen Narbonne und Aix wirkte auf diese leidenschaftlichen Gemüther sehr stark, so dass sie schnell auf die Civilisation ein- gingen. Bordeaux wurde ein Mittelpunkt für die schönen Künste und Wissenschaften und hat eine Anzahl tüchtiger Redner und Dichter(Ausonius) hervorgebracht. Das hinzutretende germanisch-westgothische Element konnte sich natürlicher Weise nicht halten. Wie überall, so waren auch hier die Eroberer weniger zahlreich, als die Unterworfenen, und schmiegten sich leicht den Sitten des Landes an. So finden wir keine Spur mehr von dem stattlichen Wuchse, der hellen Gesichtsfarbe, den blauen Augen und dem blonden Haar der Westgothen (Aevxoi, eiuμνεκα αυν r oudg Eανν⁶ε, wie sie Procop nennt). Das Klima mochte auch viel zu dem gänzlichen Aufgehen der Sieger unter den Besiegten beitragen. Die gothischen Gesetze verboten zwar eine Vermischung mit den Einwohnern, diese Massregel diente aber höchstens dazu, Hass und Zwietracht unter beiden Völkern zu säen, und vermochte nicht, die Vereinigung selbst aufzuhalten. Zu ihrer Vernichtung durch die Franken und zum Sturz ihrer Herrschaft haben die Westgothen selbst das Meiste dadurch beigetragen, dass sie sich die Gallier entfremdeten. Ihr Name ist sogar als Spottnamen einer unglücklichen Bevölkerung, der s. g. cagots(caas-goth, chien de Goth) geblieben.
Die Guyenne hatte viel durch die gothische Invasion gelitten, ebenso durch die Franken, welche aber nur vorübergehend eroberten und keinen Einfluss auf die Bevölkerung ausübten. Diese fand viel mehr Wohlgefallen an den auch nur flüchtig erobernden, aber feurigen Arabern, als an den wilden Söhnen des Nordens. Nichtsdestoweniger hat auch das arabische Element keine erkenntlichen Spuren daselbst zurückgelassen. Karl Martel vernichtete die Araber und Karl der Grosse eroberte das Land, aus welchem das Herzogthum


