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und links von dem Gebirgsplateau, das sich wie ein Keil in die Mitte hineinschiebt. Dass in diesem Durchzugslande grosse Verschiedenheiten im Charakter der einzelnen Völker- schaften sich zeigen, ist natürlich, nur die Unabhängigkeitsliebe ist der ganzen Provinz gemeinsam. Es ist ein thatkräftiger, aber rauher und eigensinniger, schwer zu bändigender Menschenschlag.
Die ursprüngliche aramäische Bevölkerung hat sich in dem offenen Poitou nicht gegen die Gallier halten können, die kymrischen Pictavi und Santones aber haben Spuren ihres Einflusses zurückgelassen. Das Poitou wurde von den Römern unterworfen, durch die Vandalen geplündert, durch die Westgothen erobert und schliesslich durch die Franken mit dem Herzogthum Aquitanien vereinigt. Von den Engländern zugleich mit dem übrigen Südfrankreich besetzt, wurde es ihnen durch Philipp August abgenommen und von Philipp dem Kühnen für die französische Krone gewonnen.
Der Vendeer im Norden ist einfach, stolz und ehrlich, kümmert sich um die übrige Welt nicht und blieb selbst von ihr unbeachtet, ja erregte die Aufmerksamkeit sogar der Franzosen erst durch den bekannten Aufstand gegen die Revolution. Die Bewohner der Vendée sind geschäftsgewandt, treiben aber nur eine Hauptbeschäftigung, da sie durchaus nicht veränderungslustig sind. Sie haben sich heldenmüthig geschlagen, um ihre Abge- schlossenheit zu vertheidigen, und leben nun in alter Weise in ärmlichen Verhältnissen, aber gleichgültig gegen jede Verbesserung ihres Looses fort.
Im Mittelpunkte der Landschaft hat der Rochelais der politischen Einigung Frankreichs hartnäckigen Widerstand geleistet, wozu das Aunis, ein vom Meere aus wenig zugängliches Land, sehr geeignet war. Es ist erstaunlich, was dieses kleine thatkräftige Volk, das wie die Holländer eine protestantische Republik gründen wollte, geleistet und gelitten hat. Jetzt ist La Rochelle, der mächtige Hort der Protestanten, verödet, und von der einst so stark entwickelten politischen Einsicht und religiösen Bewegung ist daselbst keine Spur mehr zu entdecken.
Der Charentais(Angoumois) im Süden ist sehr intelligent und thätig. Mag aber auch sein Charakter durch das schon südliche Klima und den Reichthum des Bodens gemildert worden sein, so ist er doch, wie alle anderen Bewohner der Provinz, hartnäckig und „frondeur“.
Wie begreiflich, ist das ganze Land durch die in dem englisch-französischen Kriege und die häufigen Rebellionen ihm geschlagenen Wunden an Wohlstand sehr zurückgekommen. Es hat sich bis jetzt noch nicht vollständig erholen können.
Ein Theil der Bevölkerung, der übrigens in Folge von Vermischung und Auswanderung in die Städte dem Verschwinden nahe ist, wird sehr verachtet; es sind dies die sogenannten Colliberts, eine Art Crétins.
Nicht nur die Semiten, auch die Germanen bei ihrem Einfall im Norden und die Araber im Süden haben Spuren in dem Durchzugslande Poitou hinterlassen.
Die im Poitou gesprochene langue d'oc findet sich auch in Saintonge, Aunis und Angoumois, bietet aber nichts Merkwürdiges dar. Im sogenannten Bas Poitou hat der Einfluss der Bretagne die Sprache verschlechtert, im Haut Poitou finden wir eine südliiche, aber schleppende und eintönige Sprache.


