Aufsatz 
Frankreich und seine Bevölkerung / von L. Hölting
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Limousin.

Die Bevölkerung ist gallischen Ursprungs und schwach kymrisirt, da hier das kymrische Element seine Grenze erreicht. Die Limousins haben einen runden Kopf, wenig entwickelte Stirn, blaue oder braune Augen, gerade Nase, mittelgrossen Mund und spitzes Kinn. Ihre Gesichtsfarbe ist hell, Muskulatur und Wuchs mittelstark, und ihre Gesichtszüge haben etwas Hartes und Abstossendes.

Die Lemovices, kymrisirte Gallier, bewohnten das Limousin und einen Theil der Marche, in der auch die Bituriges und Pictavi sich niedergelassen hatten. Die Römer, Westgothen und Franken waren hintereinander Herren des Landes, das später zum Herzogthum Aquitanien gehörte und deshalb durch Heirath an England kam(Eleonore von Aquitanien). Eine Zeitlang abwechselnd unter englischem und französischem Drucke, fiel es endlich durch Heirath an Navarra und so durch Heinrich IV. endgültig an die Krone.

Der Charakter der Bevölkerung bietet wenig Interessantes dar; im Norden schwankt dieselbe zwischen dem Geist des Südens und dem des Nordens, im Süden macht sich die Nachbarschaft der Gascogne sehr fühlbar. Die Limousins des Nordens sind ehrbar, aber wenig intelligent; es fehlt ihnen an Thatkraft und Unternehmungsgeist. Wenn sie der Hunger aus ihrem unfruchtbaren Lande treibt, so kommen sie als Holz- oder Steinschneider in die Städte. Gewöhnlich ziehen sie im März fort und kommen erst im December wieder.

Keine Provinz hat so sehr durch die englisch-französischen Kriege gelitten, als diese. Das Land war so schrecklich ausgesogen worden, dass seine Bewohner gänzlich in Schlaff- heit und Gleichgültigkeit versanken, woraus sich die grosse im Limousin herrschende Armuth und Unwissenheit, die geringe Cultur und Industrie genügend erklärt.

Die alte Sprache des Limousin, zur langue d'oc gehörig, nahm einen wichtigen Platz unter den südlichen Dialecten ein, hatte einige Aehnlichkeit mit dem Catalanischen und wurde auch ausserhalb des Limousin im Roussillon und sogar auf den balearischen Inseln gesprochen. Obwohl der Dialect in seiner heutigen Gestalt etwas von dem alten Wohlklang und der früheren Kraft gerettet hat, ist er doch im Allgemeinen zu einem gewöhnlichen Patois herabgesunken.

Poitou(Aunis, Angoumais).

Die Poitevins haben einen runden Kopf, die Stirn ist von mittlerer Grösse oder ziemlich entwickelt, die Haare sind blond oder kastanienbraun, die Augen braun, Muskulatur und Wuchs ist mittelstark. Vereinzelte Spuren semitischen Einflusses zeigen sich noch in der Körperbildung.

Was das Lyonais im Osten, ist das Poitou im Westen; beide Länder bilden nämlich die natürlichen Verbindungswege zwischen dem nördlichen und südlichen Frankreich, rechts

3-