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hat sie vor allen äusseren Einflüssen bewahrt, und weder ihre ehemaligen Gebieter, die Karthager und Römer, noch die Franzosen und Spanier, deren Herrschaft sie jetzt unter- worfen sind, haben sie aus ihrer Abgeschlossenheit herauszureissen vermocht. Sie ver- schliessen sich nach wie vor vollständig dem Eindringen moderner Cultur.
Die Mehrzahl der alten Einwohner Galliens vor der Ankunft der Römer waren also Arier, die nach den Aramäern aus dem Orient nach Europa gekommen sein müssen. Nachdem sie die letzteren in Asien immer mehr nach dem Meere zu gedrängt und schliesslich zur Auswanderung nach Europa gezwungen hatten, folgten sie ihnen selbst nach und vernichteten sie mit Ausnahme der geringen Anzahl Basken, die sich nach den Pyrenäen zurückzogen. Zwei arische Schaaren bemächtigten sich des französischen Bodens, zuerst die Gallier oder Kelten(beide Namen, welche von den Alten promiscue gebraucht wurden, stellen sich als gleichbedeutend heraus) und später die Kymris. Von den Griechen wurden die ersteren Kelrat, von den Römern Galli genannt. Der gemeinsame Stamm beider Wörter findet sich bei den Alten in Iares sing. This statt Iyls. Die Kelten waren einst weit ausgebreiteter, als jetzt, wo sie nur noch in den westlichsten Theilen Europa's, in der französischen Klein- bretagne, Hochschottland, Wales, auf der Insel Man und in Irland sich finden. Das eigent- liche Keltenland war aber das mittlere Gallien. Die Kymrier waren mit den ersteren vielfach vermischt und hatten sich am reinsten in Helvetien erbalten. Was die Körperbeschaffenheit betrifft, so hatten die Kelten einen runden Kopf, Stirn von mittlerer Grösse, gerade Nase, rundes Kinn und blondes, üppiges Haar. Ihre Muskeln waren gut entwickelt, aber weniger widerstandsfähig, als die der Römer z. B. Sie hatten eine helle Hautfarbe und waren von schlankem Wuchse, ohne jedoch die Grösse der Kymris zu erreichen. Diese hatten einen lünglichen Kopf und eine hohe, breite Stirn, eine hervorspringende, häufig auch gebogene Nase und ein spitzes, etwas hervorstehendes Kinn. Sie waren sehr gross, ihre Gesichts- farbe sowie die Haare waren dunkler, als die der Gallier. Ueéber den Charakter dieser zwei verwandten Stämme, welche die Ureinwohner Frankreichs, der britischen Inseln, des westlichen und südlichen Germaniens verdrängten, bemerken wir Folgendes:
Sie waren edel und gut, mittheilsam und stets bereit, aus der Noth zu helfen. Während sie die Schwachen gern unterstützten, waren sie herrschsüchtig und duldeten keinen Wider- spruch. Von unbezähmbarem Muthe und tiefer Verachtung gegen Gefahren erfüllt, waren sie gleichgültig gegen den Tod und, wo es die Ehre galt, schnell bereit, ihr Leben in die Schanze zu schlagen. Niemals kämpften sie mit Hinterlist, offen im Zweikampf fochten sie den Streit aus. Dabei besassen sie eine kindische Neugierde und suchten überall nach neuen Abenteuern. Mit lebhaftem und feinem Geiste begabt, liessen sie gern ihrer Lustig- keit die Zügel schiessen und sich leicht zum Spotte hinreissen. Kaum aber hatten sie sich für eine Sache begeistert, so wendeten sie sich wieder von ihr ab, sobald sich etwas Neues ihren Blicken darbot. Zugleich waren sie ein schwatzhaftes Volk, eingebildet und eitel, leichtfertige und bewegliche Naturen. Obwohl streitsüchtig, hatten sie doch einen ausge- bildeten Rechtssinn. Die Frau wählte selbst ihren Gatten, und die Kinder erbten zu gleichen Theilen. Es gab bei ihnen nur wenige oder gar keine Sclaven, ebenso wenig fand sich eine Priesterkaste. Nur Verdienst und Wissen führte zur Würde der Druiden und Barden. Die Kymris waren im Ganzen ruhiger und gesetzter, als die Gallier.


