Frankreich und seine Bevölkerung.
Die vorliegende Abhandlung macht nicht etwa den Anspruch, für die wissenschaft- liche Durchforschung der französischen Provinzen in historischer oder ethnographischer Beziehung neue Gesichtspunkte zu eröffnen oder dem Fachmann etwas Neues und Besonderes bieten zu wollen. Vielmehr war es die Absicht des Verfassers, die Resultate der in den verschiedenartigsten Werken zerstreut niedergelegten Forschungen über einzelne Theile Frankreichs zu einem Gesammtbilde zu vereinigen und, so zu sagen, eine kurze Lebens- und Naturgeschichte dieses Landes und seiner Bewohner zu geben, so gut es der enge Raum eines Programms gestattet. Man erwarte deshalb keine erschöpfende Behandlung des Gegen- standes, sondern nur flüchtige Skizzen, wie sie während eines kurzen Aufenthaltes in Paris beim Studium französischer Quellen entworfen sind.
Von den zwei orientalischen Völkerstämmen, welche von Asien nach Europa ein- wanderten, nahmen die Aryas den grössten Theil desselben ein, während die Aramäer in verhältnissmässig kleinen Schaaren herübergekommen sind und nur geringe Spuren ihrer Thätigkeit in Frankreich und Spanien hinterlassen haben. Wie bekannt, unterscheiden sich beide wesentlich von einander durch Körperbau und Charakter. Jene hatten blaue Augen und plondes Haar, diese schwarze Augen und schwarzes Haar. Die Aramäer waren unter- setzt, die Arier schlank. Ebenso war ihre Geistesrichtung eine durchaus verschiedene. Die Einen gefielen sich in abstracten Ideen, die Anderen waren nur materiellen Genüssen zugänglich, und nie hat sich ihre Sprache zur schwungvollen Höhe des Sanskrit und Griechischen erheben können. Der Südwesten Europa's, der Norden Italiens und der Süden Frankreichs, wurden Anfangs von Aramäern bewohnt, die jedoch unter der Menge der nach ihnen eingewanderten Arier fast spurlos verschwunden sind. Nur die Basken oder Vasken, welche heute noch eine Million Seelen stark die Seitenabhänge der Pyrenäen bewohnen, können ihre semitische Abstammung nicht verleugnen. Ihre Sprache(euskara) ist sehr urthümlich und gleicht ebenso wenig dem semitischen, wie dem arischen Idiom. Die Wörter werden nicht flectirt, sondern es werden gleichfalls unveränderliche Wörter an dieselben angehängt, falls sie eine andere Bedeutung annehmen sollen. Wir finden bei den Basken die schwarzen Augen und Haare der Semiten wieder, es sind heitere, bewegliche und gast- freundliche Leute. Ihre abgeschlossene Lage auf bergigen und schwer erreichbaren Höhen
1


