Aufsatz 
Der Zeichenunterricht an dem Neuen Gymnasium zu Darmstadt / von Richard Hölscher
Entstehung
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Ober-Tertia.

Pensum: Anwendung des auf den früheren Stufen Gelernten am Zeichnen nach orna- mentalen Reliefs, nach Naturgegenständen und plastischen Nachbildungen von Ge- bäuden, Waffen etc.

Aufgabenfolge: a) Sommerhalbjahr:

1. Ornamentale Gipsreliefs von natürlichen Pflanzenblättern. 2. Teile lebender Pflanzen.

b) Winterhalbjahr: 1. Ornamentale Gipsreliefs verschiedener Stilarten. 2. Naturgegenstände: Muscheln, ausgestopfte Vögel, Pflanzenblätter (getrocknet) und Abgüsse von solchen. 3. Vasen, Waffen(römischer Helm).

Bei Aufstellung der Reihenfolge dieser Aufgaben ist auf Mannigfaltigkeit und Abwechs- lung der Objekte möglichst Rücksicht genommen, und aus diesem Grund das Zeichnen nach ornamentalen Gipsreliefs in zwei Perioden geteilt. Während in der ersten Periode das stili- sierte Naturblatt im Relief und im Anschluss daran das Zeichnen nach Teilen lebender Pflanzen stattfindet, wird in der zweiten Periode des Gipszeichnens das klassische Ornament, so weit als thunlich, berücksichtigt, und im Anschluss hieran finden Mitteilungen aus der ornamentalen und architektonischen Formenlehre statt.

Das Zeichnen nach lebenden Pflanzen, Muscheln etc. behält infolge der knappen Zeit den Charakter von Zwischenaufgaben für die Frühfertigen.

Zur Ausführung der Zeichnungen wird verschiedenes Material benutzt.

Fakultativer Unterricht für die Klassen Unter-Sekunda bis Ober-Prima.

Das Pensum für den fakultativen Unterricht der oberen Klassen bringt das bisher Er- worbene zur Vertiefung und Anwendung.

Der Übungsstoff ist zum Teil vom kunstgeschichtlichen Standpunkte aus aufgestellt, wobei die besondere Berücksichtigung des klassischen Altertums im Interesse des gesamten Gymnasialunterrichts geboten erscheint. Neben dem Zeichnen nach den Kunstformen wird dasjenige nach Naturformen(Benutzung des Naturalienkabinets) fortgesetzt.

Abgegrenzte Klassenpensen aufzustellen, ist bei einem fakultativen Unterricht, in welchem Schüler mehrerer Klassen vereinigt sind, nicht gut möglich. Die vom einzelnen Schüler im bisherigen Unterricht erworbene Zeichenfertigkeit wird durch sich allmählich steigernde Aufgaben zu fördern gesucht.

Es werden gezeichnet: Ornamente verschiedner Stilarten nach Gips.

Gefässformen.

Gewölbemodelle verschiednen Stils.

Gebäudemodelle(romanische Kirche etc.).

Säulenkapitäle und Säulenfüsse.

Lebende Pflanzen und Abgüsse von denselben.

Ausgestopfte Tiere und Tierskelette.

Mikroskopische Präparate

Stillleben aus kunstgewerblichen Gegenständen und anderem

zusammengestellt.

Skelettteile des Menschen, insbesondere der Schädel.

Naturabgüsse nach Teilen des menschlichen Körpers.

Teile von Antiken Büsten ganze Figuren antike Reliefs. Während des Sommersemesters finden gelegentlich Ubungen im Skizzieren nach der

Natur statt.