Aufsatz 
Der Zeichenunterricht an dem Neuen Gymnasium zu Darmstadt / von Richard Hölscher
Entstehung
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Quarta.

Pensum: Zeichnen nach dem Draht- und Follmodell. Würfel und Zusammenstellung von Würfeln in Kreueform in verschiedenen Stellungen, Pyramide und sechsseitiges Prisma im Umriss und mit Wiedergabe der Beleuchtungserscheinungen. Kreis und Flächenfigur in Verkürzung. Ableitung der elementaren perspektivischen Gesetze und der Beleuchtungsgesetee aus der Anschauung.

Das Pensum der IV bezweckt Ausbildung des geistigen Auges im richtigen Auffassen der Erscheinung des Körperlichen und UÜbung des räumlichen Vorstellungsvermögens(des plastischen Denkens). Durch UÜbung in der Darstellung des räumlichen Gebildes auf der Ebene wird dieses Ziel zu erreichen versucht, und daraus ergiebt sich Förderung des Verständnisses für das perspektivische Bild im allgemeinen. Ausser dass dem geometrischen Unterricht der betreffenden Stufe hieraus Vorteil erwächst, und der spätere Unterricht in Stereometrie durch diese Einführung in die Raumanschauung eine gewisse Erleichterung findet, ziehen sämtliche Disziplinen, welche bildliches Anschauungsmaterial benutzen, Vorteil aus den hier betriebenen UÜbungen. Die Darstellung von Schmetterlingen und anderen Insekten(Zwischenaufgaben), welche ein eingehendes Betrachten bedingt, bringt Beziehungen zum naturkundlichen Unterricht.

Lehrmittel: Neben grossen Draht- und Vollmodellen(60 cm Kantenlänge) von den erwäühnten Körpern wird noch der Glastafelapparat verwendet. Die Schmetterlinge, Käfer etc. sind in einzelnen Kästchen unter Glas gefasst.

Allgemeines zur Behandlung des Lehrstoffs: Bei Beginn der Betrachtung und Be- sprechung des Drahtmodells wird die Forderung gestellt, dasselbe sich als Vollmodell vorzu- stellen. Unterstützung findet dieses Verlangen durch gleichzeitiges Aufstellen des entsprechen- den Vollmodells, wohl auch anfangs durch Darstellung von einer oder zwei Flächen am Draht- modelle mittelst Papier. Die Besprechung der Aufgabe folgt alsdann nachstehender Disposition:

1. Auffassen der Gesamterscheinung des Körpers, Anzahl seiner sichtbaren Flächen, Kanten und Ecken(die Vorstellung als Vollmodell vorausgesetzt), scheinbare Gestalt seiner Flächen, scheinbare Richtung der Kanten, scheinbare Gestalt der Winkel; mündliche Dar- stellung des Gesamteindrucks durch einzelne Schüler und ebenso zeichnerische Darstellung durch dieselben an der Tafel; gemeinsame Korrektur der gröbsten Fehler; Anschauung des perspek- tivischen Bildes mittelst des Glastafelapparats..

2. Eingehen auf die wirklichen Verhältnisse und wirkliche Form des Körpers, seiner Flächen, die wahre Richtung seiner Kanten im Raum; Ursache für die vorher erkannten Er- scheinungsformen: Lage des Körpers, seiner Flächen und Kanten zur Bildebene.

3. Erläuterung des Entwicklungsgangs der Zeichnung mittelst Tafelskizzen, welche typische Ansichten(etwa drei) des Körpers darstellen.

Aufgabenfolge: 1. Würfel in senkrechter, frontaler Stellung nach dem Draht- modell. Nach der Darstellung des vorderen Quadrats wird die scheinbare Breite der verkürzten Flächen und die scheinbare Richtung der fliehenden Kanten angegeben. Auf die korrekte Vollen- dung der zwei resp. drei sichtbaren Flächen folgt die Hinzufügung der als unsichtbar ge- dachten Kanten.

Unter Heranziehung mannigfaltiger Beobachtungen aus der Natur wird das grund- legende Gesetz des perspektivischen Zeichnens entwickelt.Je weiter sich ein Mass vom Auge entfernt, um so kleiner erscheint es demselben, und das andere, welches sich aus diesem ergiebt,Parallele Linien scheinen in der Richtung, in welcher sie sich entfernen, zusammen- zulaufen.

Episoden zu dieser Aufgabe, die zur Vertiefung des räumlichen Vorstellungsvermögens beitragen, sind folgende:

a) Zeichnen der Diagonalen auf sämtlichen Flächen des Würfels;

b) Entwicklung der Octaëders, Tetraöders und anderer Körper innerhalb des Würfels;

c) Anlegen der Flächen mit farbiggrauen Tönen(auch bei den folgenden Aufgaben nach

dem Drahtmodell angewandt);

d) Entwicklung des Netzes vom Würfel und Herstellung eines Modells desselben aus

Papier. *