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zeichen ſtehen, obwohl ſo viel ich weiß alle Ausgaben es haben. So iſt die hergebrachte Inter⸗ punktion an vielen Stellen nicht korrekt und überhaupt etwas nachläßig; beſonders häufig iſt der Strich— angewandt und zwar faſt für jedes Interpunktionszeichen. Bei der Berichtigung iſt bis dahin nicht mit Konſequenz nach einer logiſchen Regel verfahren.
3. Wallenſteins Tnd.
III. Aufz. 21. Auftr. V. 80. ff.
Uns trennt das Schickſal, unſre Herzen bleiben einig. Ein blut'ger Haß entzweit auf ew'ge Tage
Die Häuſer Friedland, Piccolomini,
Doch wir gehören nicht zu unſerm Hauſe.
— Fort! Eile! Eile, deine gute Sache
Von unſrer unglückſeligen zu trennen.
Auf unſerm Haupte liegt der Fluch des Himmels, Es iſt dem Untergang geweiht. Auch mich
Wird meines Vaters Schuld mit ins Verderben Hinabziehn. Traure nicht um mich! Mein Schickſal Wird bald entſchieden ſein.
Der Vers 86 wird alſo geleſen in dem Manuſcript, dem erſten Druck, wie faſt ſämmtlichen ſpäteren Ausgaben; nur einige wenige wie die im Verlage von J. G. Cotta(Stuttg. u. Tübg.) 1838 erſchienene haben Hauſe anſtatt Haupte, und dieſe Lesart halte ich für die allein richtige. Thekla will die gute Sache des Max von ihrer unglückſeligen getrennt haben. Sie wünſcht und hofft noch ſeine Rettung.„Auf unſerm Haupte liegt der Fluch des Himmels“ könnte ſich alſo nicht auf Thekla und Max beziehen; das unſer ſagt Thekla mit Beziehung auf ſich ſelbſt und ihre Familie. Dann iſt aber Haus das richtigere Wort; mit Haupt bezeichnet man nicht eine Familie. Man wäre ſo genöthigt anzunehmen, daß auf unſerem Haupte brachylogiſch geſetzt ſei für auf dem Haupte unſeres Hauſes, und dann wäre natürlich Wallenſtein ſelbſt darunter zu verſtehen. Aber abgeſehen davon, daß dieſe Auffaſſung ſehr ge⸗ ſucht und gezwungen iſt, ſcheint es der kindlichen Pietät der Thekla nicht angemeſſen, ihren Vater als den Fluchbeladenen hinzuſtellen. Schon Piccolom. III. Aufz. 9. Auftr. V. 13. ff. ſpricht ſie„von dem finſteren Geiſte, der durch ihr Haus geht“; die Schuld ihres Vaters,„die auch ſie mit ins Verderben hinabziehen werde“, kann und darf ihr nur als eine der vielen Folgen des Fluches erſcheinen, der auf ihrem Hauſe laſtet. Zudem iſt es kein hergebrachter Ausdruck: Unſer Haupt iſt dem Untergange geweiht. Der Abſchreiber wie der Setzer konnte bei einer deutſchen Handſchrift ſtatt Hauſe auch ſehr leicht Haupte leſen.


