Aufsatz 
Das erdkundliche Pensum der Quinta an höheren Lehranstalten in Bezug auf Inhalt und Methode : 1. Teil. Grundzüge der mathematischen Erdkunde
Entstehung
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keit seiner Leidenschaften. In seinen geistigen Fähigkeiten bleibt er aber weit hinter dem Europàer zurück; die klimatischen Verhaltnisse scheinen ihrer Entwicklung nicht günstig zu sein.

Belehrung. Die kalte Zone. Die kalte Zone bildet im gewissen Sinne das Gegenstück zur heiſsen. Wie diese eigentlich nur zwei Haupt- jahreszeiten aufweist, so auch die kalte Zone, nur mit dem Unterschiede, dals hier an Stelle der langen heiſsen Zeit der Tropen, eine fast neun Monate dauernde Kältezeit, der arktische Winter, und an Stelle der Regenzeit, ein kurzer etwa drei Monate langer Sommer tritt. Die Übergünge vom Winter zum Sommer vollziehen sich aufserordentlich rasch. Kaum hat die Polar- sonne sich etwas auf ihrer täglichen Bahn über den Horizont erhoben, so werden die Wirkungen ihrer Strahlen auch schon bemerkbar. Die Schnee- decke schmilzt rasch, und noch ist sie nicht verschwunden, da streckt schon hier und dort ein keckes Pflänzlein sein Köpfchen aus derselben heraus, um ja keine Zeit zu verlieren, sobald es seines eisigen Kerkers los geworden ist. Und es muls sich auch beeilen; denn gar kurz ist seine Herrlichkeit und es mufs doch blühen, den Samen zur Reife bringen und sich wieder für die lange Schnee- und Eisumhüllung rüsten. Unterdessen steigt die Sonne immer höher, neigt sich gegen Abend wohl nach dem Hori- zonte hin, ohne aber hinter demselben zu verschwinden, beleuchtet um Mitter- nacht die noch vielfach von Eis bedeckten Gefilde und steigt nun langsam wieder höher am Himmel empor, den sie in unermüdlichem Laufe Tag für Tag umkreist. Es ist ununterbrochen heller Tag, der z. B. an der Nord- spitze von Asien 4, anf der von Europa 2 und am Nordpol 6 Monate dauert. Die Warme nimmt rasch zu und kann sogar zu gewissen Zeiten drückend werden; trotzdem ist sie nicht imstande, den erstarrten Boden mehr als einige Centimeter aufzuthauen; auf dieser aufgethauten Erdschichte entwickelt sich nun ein aàulfserst spärlicher Pflanzenwuchs, bestehend in wenigen Arten von Kräutern, Moosen und etwas Strauchwerk. Kein Baum, kein wogendes Saat- feld erfreuet das Auge. Auch von der Tierwelt sind wenig Vertreter im hohen Norden zu finden. Einige Vogelarten verlegen ihre Brutplätze dahin; von den Säugetieren lebt auf dem Lande der Eisbär, Polarfuchs; in den Gegenden des Polarkreises Hermelin, Zobel und das wilde Renntier. Das Meer beherbergt dagegen den gewaltigen Wal, dessen Jagd waͤhrend des Sommers von Walfischfängern betrieben wird. Mit der Herbsttag- und Nacht- gleiche verschwindet für den Pol die Sonne auf ein halbes Jahr. Doch schon lange vorher ist die von ihr wältrend der Sommerzeit aufgethaute Erdschichte wieder erstarret, und die wenigen Pflanzen umhüllet bereits wieder eine schützende Schneedecke. Die Polarnacht beginnt; ihre Dauer nimmt vom Pole nach dem

Polarkreise hin stetig ab; unter diesem währet sie noch 24 Stunden. Die Kälte 6*