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Glühend sendet die Sonne ihre Strahlen hernieder auf die schmachtende Erde. Der Morgenwind hat aufgehört, die vor kurzem noch so kleinen Wölkchen haben sich zu dunklen, dräuenden Wolkenmassen zusammengeballt, aus denen ab und zu Blitze hervorzucken. Die Luft gerät in heftigere Be- wegung, die Wolken haben den Himmel bedeckt, die Sonne ist verschwunden, der Donner rollt, eine düstere ângstliche Spannung lagert sich über die ganze Natur: Da braust ein mächtiger Windstofs daher, begleitet vom Krachen des Donners und dem Zucken der Blitze; alles flüchtet und sucht ein schützendes Obdach; immer heftiger tobt der Sturm, alles niederwerfend und zerstörend, was seiner Gewalt nicht Widerstand leisten kann, und plötzlich stürzen un- endliche Mengen Wassers auf die Erde, die in wenigen Augenblicken alle Vertiefungen ausfüllen und das Land weithin in einen See verwandeln. Die Macht des Sturmes ist damit gebrochen; der Donner hört auf, die Wolken verschwinden und die Sonne bescheint, nun hoch über den Häuptern der Menschen am Himmel stehend, das Bild der Verwüstung und Zerstörung. Kein Hauch bewegt die Luft, der Dampf des rasch verdunstenden Wassers erzeugt eine beängstigende Schwüle, der Schweils dringt aus allen Poren, und Ermüdung und Erschlaffung hemmet jede Thätigkeit des Menschen.
Diese Donnerstürme treten zu Anfang der Regenzeit täglich auf, ihre Dauer ist eine sehr kurze, die angerichtete Verwüstung dagegen oft eine ge- waltige. Im weiteren Verlaufe werden sie immer seltener und hören endlich ganz auf. Regen fäallt nun täglich; trotzdem regnet es nicht ununterbrochen; er dauert anfangs einige Stunden, hält aber selten, auch in der Hauptzeit nicht, langer als einen halben Tag an. Die Hitze mildert sich allmahlich, in hoher gelegenen Gegenden wird es zeitweise sogar empfindlich kalt.
In der trockenen Zeit herrscht tagsüber zumeist grofse Hitze, die hauptsächlich in den den niedrigen Küstengegenden wegen der Feuchtigkeit der Luft sehr unangenehm empfunden wird; nachts erfolgt aber regelmaàſsig eine sehr starke Abkühlung, die bei nicht genügendem Schutz dem Menschen gefährlich werden kann. Der Eingeborene erträgt aber die Gegensaâtze des Klimas im allgemeinen besser als der Europäer.
Grofsartig, wie in ihren Naturerscheinungen, sind die Tropen auch in den Erzeugnissen der Tier- und Pflanzenwelt. In den Tropen leben die grölsten Säugetiere, die gefährlichsten Raubtiere und die giftigsten Reptilien. Die tropische Pflanzenwelt zeichnet sich durch blendende Farbenpracht, durch Gröfse und Mannigfaltigkeit aus; die Tropen sind zugleich die Heimat unserer feinsten Gewürze und Holzarten; ihr Boden liefert in reicher Menge edle Metalle und kostbare Steine. Auch der Mensch des heilsen Erdgürtels unserscheidet sich von dem der gemäfsigten Zone durch seine dunkle, teilweise fast glänzend schwarze Hautfarbe, seinen häufig sehr kräftigen Körperbau und die Heftig-


