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Belehrung. Die heifse Zone. Nicht so reich an Abwechselung, Seele und Geist so mannigfaltig erfassend, vollzieht sich der Wechsel der Jahreszeiten in der heifsen ode tropischen Zone. Wahrend die Natur der gemäfsigten Zone die lebende Welt wie eine füursorgliche Mutter schützt. indem sie dieselbe vor den Gefahren der Gegensätze von Wärme und Kälte durch allmähliche Ubergunge zu bewahren sucht, ist dies in den Tropen nicht der Fall. Allerdings sind die Gegensätze der Hauptjahreszeiten auch nicht so groſs, wie in der gemälsigten Zone. Die heifse Zone kennt eigentlich nur zwei Jahreszeiten: die heilse oder trockene Zeit und die nasse oder Regen- zeit. In den Gegenden in der Nähe des Aquators tritt die Regenzeit nur einmal ein; die weiter nördlich und südlich vom Aquator gelegenen dagegen erfreuen sich einer zweimaligen Regenzeit im Jahre.
Häufig wird die tropische Regenzeit mit unserem Winter verglichen, ein Vergleich, der eigentlich nicht ganz zutreffend ist; denn einmal fehlt den Tropen die winterliche Schneedecke gänzlich; Schnee liegt dort nur auf den Gipfeln hoher Berge, anderseits ist gerade die tropische Regenzeit jene Zeit, die das während der langen Trockenzeit erstorbene Leben im Pflanzenreiche wieder erweckt und es rasch zur Entfaltung bringt. Da auch die Kälte wuͤhrend ihrer ganzen Dauer nie eigentlich empfindlich wird, so gleicht sie im ganzen in ihrem ersten Abschnitte eher unserem Frühling und im weiteren Verlaufe unserem Sommer; denn wie im Frühling bei uns die ganze Natur aus ihrer Erstarrung erwacht und lebendig zu werden beginnt, und der Sommer das Werk der Entwicklung unserer Pflanzenwelt zur Vollendung bringt, so auch die Regenzeit in der heiſsen Zone. Sie könnte also füglich, wie es auch häufig geschieht, der Frühling und der Sommer der Tropen genannt werden. Die trockene Zeit dagegen gleicht in ihrem Beginne eher unserem Herbste und im weiteren Verlaufe dem Winter. Denn wie in unserem Herbste das Pflanzenleben langsam erstirbt und wWährend des Winters gänzlich ruht, so ergeht es ihm auch in der heilsen Zone. In dieser Beziehung haben also der Winter der gemälfsigten Zone und die trockene Zeit der heilsen eine ge- meinschaftliche Eigentümlichkeit, die bei jedem anderen Vergleiche mit unseren Jahreszeiten gäànzlich fehlt. Die tropische Regenzeit tritt nicht plotzlich ein, sondern bereitet sich langsam vor. Sie schreitet vom südlichen Wendekreis, wo sie im Dezember und Januar herrscht, langsam vorwuͤrts, erreicht Ende März die Gegenden des Xquators und erreicht im Juni etwa den nordlichen Wendekreis. Ihr folgt stets eine Zeit des Ubergangs mit mälsig bewegter Luft, klarem und heiterem Himmel. Der Eintritt der Regenzeit küundigt sich durch heftig auftretende Sturme(Tornados) an. Kaum hat sich am Morgen die Sonne über den glühenden Horizont erhoben, so erscheinen an demselben
kleine Wölkchen. Noch weht der frische Morgenwind; es geht gegen 9 Uhr. 6


