Schlupfwinkel. Auch den Menschen duldet es nicht mehr in den eng ge- schlossenen Räumen; der erwärmende Sonnenstrahl, die kräftige, würzige, erfrischende Frühlingsluft lockt ihn ins Freie. Dort erwartet den Landmann neue Arbeit. Das Feld harret der Bestellung, die Wiese der Reinigung, der Obstbaum und die Weinrebe der Pflege. Der Staädter verläfst die dumpfen Gassen des Häusergewirres es treibt ihn hinaus in Wiese und Wald. Dort empfÄngt ihn der würzige Hauch des Frühlings nach langer Ent- behrung.— Das Osterfest ist vorüber, schon nahen die lieblichen Pfingsten. Regen und Sonnenschein kämpfen nicht mehr um den Vorrang; siegreich hat die Sonne ihre Gegner, die feuchten, dräuenden Regenwolken überwunden und glänzt nun als mächtige Herrscherin allein am tiefblauen Himmelsgewölbe. Aber ihre Herrschaft fängt an drückend zu werden und der Mensch rettet sich vor ihren Pfeilen unter den schützenden Schatten der Bäume. Doch die Besiegten zürnen; die Siegerin soll sich ihrer Herrschaft nicht ungestraft erfreuen. Drohend und finster rotten sie sich am Himmel zusammen, grollend erschallt ihre Stimme, der Donner; sie senden den Blitz auf die Erde und den Hagel, um die Geschöpfe der Herrscherin, Saaten und Pflanzen, zu ver- nichten; sausend ziehen sie im Sturme über Feld und Wald; doch nicht lange währet ihre Macht. Siegreich durchdringt und zerstreut das glänzende Tages- gestirn die dräuenden, finsteren Scharen seiner erbitterten Feinde, die Wolken, und— lächelt über ihr thörichtes Unterfangen; ihr allein gehört jetzt die Herrschaft: denn der Sommer ist da! Die ganze lebende Welt hat ihr Kleid gewechselt; sie trägt jetzt das Sommerkleid. Schon früh erhebt sich am Morgen die Sonne und durchkreist in grolsem, hoch am Himmel dahinziehenden Bogen die von ihren Strahlen durchglühte Erde. Die Saaten reifen; der Duft des gemähten Grases erfüllt die Luft. Zögernd geht nach langem Laufe im fernen Westen die Sonne zur Ruhe; doch sie mag nicht gänzlich von uns scheiden; am mitternächtigen Himmel bewachen ihre erblalsten Strahlen die schlummernde Erde, die, vom Thau befeuchtet, Frische und Kühlung atmet. Jung und Alt flüchtet aus den qualmenden Städten auf das Land, in die Berge oder an die See. Nun ist das Korn geschnitten, mit rötlichen-Backen lachet schon der Apfel vom Baume, mit feurigem Saft hat sich schon die Traube gefüllet, häufiger bedeckt sich der Himmel mit Wolken, der Laubwald erglänzt in einem Meer von Farben, im Reiche der Lüfte wogt schon ein heftiger Kampf, gilt es doch, die Herrschaft der Sonne zu verdrängen, die man ihr so lange streitig gemacht, immer mehr verliert sie an Raum in ihrem Reiche; endlich weicht sie der vereinigten Macht von Sturm und Wolken; grollend verläſst sie die nördliche Welt, um die südliche in das Gold ihrer Strahlen zu tauchen— der Herbst ist gekommen.
Aufsatz
Das erdkundliche Pensum der Quinta an höheren Lehranstalten in Bezug auf Inhalt und Methode : 1. Teil. Grundzüge der mathematischen Erdkunde
Entstehung
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