Aufsatz 
Das erdkundliche Pensum der Quinta an höheren Lehranstalten in Bezug auf Inhalt und Methode : 1. Teil. Grundzüge der mathematischen Erdkunde
Entstehung
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zugleich die Gegensätze in der Wärmeverteilung dar, und die Natur hat vor- sorglich zum Wohle der Menschen, Tiere und Pflanzen es so eingerichtet, dals jene Gegensätze nicht unvermittelt aufeinander folgen, sondern sich langsam ausgleichen. Die grolse Hitze des Sommers maälsigt sich allmählich mit dem kühler werdenden Herbste; rauhere Winde stellen sich ein und härten die durch die sommerliche Warme verweichlichte Haut der Menschen und Tiere langsam ab; der Mensch sucht nach wärmerer Kleidung, der Pelz der Tiere wird dichter; der Saft der Bäume geht aus den Zweigen in die Aste und den Stamm zurück, die Blätter fallen ab, weifser Reif bedeckt nun häufig das Erdreich, auf dem die Blumen und Kräuter abgestorben und verdorret sind. Kein wogendes Saatfeld erfreut mehr das Auge; der Landmann hat die Ernte eingeheimst und nur dürre Stoppeln ragen dort noch hervor, wo vor kurzem der schwankende Halm mit der vollgefüllten Khre des Schnitters wartete. Aber bald spriefset neues Grün zwischen den Schollen. Es ist die junge Saat, die ängstlich zitternd sich vor den rauhen Winden zu schützen sucht; da erbarmt sich ihrer die gütige Mutter Natur und wirft über sie eine blendend weilse Hülle den Schnee. Der Winter ist da. Die lebende Welt hatte Zeit sich vor seinem Ernste zu schützen. Nicht murmelt mehr der Bach, seine Stimme ist erstorben, er ist erstarret in Eis. Die ganze Natur schweigt. Mensch und Tier suchen ein schützendes Obdach; der Mensch im wohnlichen, vom Feuer wohldurchwärmten Gemache, das Tier in Höhlen oder Schlupfwinkeln. Dort verschlafen viele die rauhe, nahrungslose Zeit; andere haben sich noch zur rechten Zeit geflüchtet und sind in wärmere Länder gezogen, wie viele unserer leichtbeschwingten Sänger der Lüfte. Der Mensch ist jetzt mehr auf seinen Mitmenschen angewiesen. Es sammelt sich der gesellige Kreis am haàuslichen Herd und kürzt sich die langen Winter- abende durch anregende Unterhaltung und Belehrung. Da nahet das Weih- nachtsfest, die Freude der Kinder; ein neues Jahr rückt heran, die Sonne geizt nicht mehr so oft mit ihren erwärmenden Strahlen; immer häufiger lacht sie zum Fenster herein und sucht uns ins Freie zu locken; die Schneedecke färbt sich in schmutziges Grau, leise murmelt wieder das Bächlein da rauschet es nachts in dem kahlen Geäste der Bäume, und am Morgen begrüfset ein milder erwärmender Hauch aus dem Süden die Menschheit die weilse Decke ist verschwunden, das Eis gebrochen der Frühling ist da. Die Natur erwacht aus langer Erstarrung. Die Erde bedeckt sich mit neuem Grün, der Baum schmückt sieh mit Blättern und Blüten. Storch und Schwalbe und die ganze Schar der befiederten Wanderer kehrt an die alten Nistplätze zurück und erfüllt die Luft mit fröhlichem Gesange. Auch jene Tiere, denen die Natur die Wohlthat des Winterschlafes geschenkt hat, um die Zeit der Not zu überwinden, erwachen und verlassen ihre Höhlen und