Aufsatz 
Das geographische Pensum der Sexta an höheren Schulen in Bezug auf Inhalt und Methode / von Franz Höfler
Entstehung
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der Gewinnung der Grundbegriffe aus der topischen, physischen und politischen Geographie geht jene der sogenannten mathematischen. Da bei diesem Abschnitte aber schon eine gereiftere Anschauung und Auffassung vorausgesetzt werden muß, ohne welche gewisse Teile desselben überhaupt für den Unterricht zwecklos erscheinen, so empfiehlt es sich, den Stoff desselben 80 zu verteilen, daß mit der Zunahme des Verständnisses auch das Gebiet der mathematisch- geographischen Vorbegriffe immer mehr und mehr erweitert werde. Dafür eignet sich am besten eine Verteilung auf drei Jahreskurse, Sexta, Quinta und Quarta. Mit der letzteren Klasse hätte der Unterricht dieser Art von Vorbegriffen abzuschließen, eine Erweiterung desselben aber erst in Untersekunda wieder einzutreten, in welcher Klasse dieses Pensum insoweit seinen Ab- schluß findet, als es sich um die im bürgerlichen Leben nötigen Kenntnisse von den wichtigsten astronomischen Erscheinungen und ihre Erklärung, und um alles das, was unter dem Namen »Globuslehre« zusammengefaßt zu werden pfiegt, handelt. In Prima aber hätte dann dieses geographische Wissensgebiet mit der Einfügung der hervorragendsten Kapitel aus der mathematisch- astronomischen Geographie die noch fehlende Vervollständigung zu finden.

In dem ersten Teile des Pensums der Sexta wird also aus den mathematisch-geogra- phischen Grundbegriffen nur das Allernotwendigste beim Unterrichte heranzuziehen sein, d. i. alles das, was sich aus der eigenen Anschauung des Schülers heraus entwickeln läßtt. Da die richtige Anschauung aber nur durch Selbstsehen und Beobachten entstehen kann, so müssen die Umgebung und die Heimat und die Erscheinungen an dem sich über ihn wölbenden Himmel das Feld sein, aus dem er seine ersten geographischen Begriffe schöpfen und übertragen lernt.

Der Verfasser will im Nachfolgenden darzulegen versuchen, in welcher Weise sich diese Aufgabe lösen lätzt. Es fällt ihm aber nicht bei, der Meinung zu huldigen, daß der von ihm eingeschlagene Weg der allein richtige sei, um zum Ziele zu gelangen; es soll vielmehr das Ganze nur als Versuch gelten, und er würde es dankbar begrüßen, wenn er damit zu einem Gedankenaustausch über die Methodik eines der schwierigsten Abschnitte des geographischen Unterrichts angeregt hätte.

Das Pensum zerfällt in zwei Teile: den Teil der Vorbegriffe und den der Übertragungen. Der erstere soll an dieser Stelle den Gegenstand meiner Arbeit bilden; der zweite an anderer Stelle seine Veröffentlichung finden, da ich den mir hier zugemessenen Raum damit zu überschreiten fürchte.

1. Das Schulzimmer.

Das Messen. Entwickelung der Begriffe lang, breit, oben, unten, hoch, tief. Der Mafstab.

Vorbemerkung.

Der Unterricht beginnt mit der Sammlung des Stoffes, der, soweit es nur immer an- gänglich ist, durch passend gestellte Fragen gefunden wird. Ist die»Sammlung« beendet, so wird das Gefundene zusammengefasst. Diese Zusammenfassungen erfolgen anfangs unter Beihülfe des Lehrers, allmäühlich müssen sich die Schüler aber daran gewöhnen, sie selbst auszu- führen; sie werden dann von einer Anzahl Schüler wiederholt und bilden mit die Aufgabe für die nächste Stunde. Jeder Schüler hat sich mit einem Hefte ohne Linie, mit Bleistift und kleinem Lineal, auf dem ein Maßstab eingezeichnet ist, zu versehen.