Wissensehaftiche Beilage zur Einladungsschrift der Musterschule(Realgymnasium) Iu Frankfürt a. M.
Das geographische Pensum der Sexta an höheren Schulen in Bezug auf Inhalt und Methode
von
Dr. Franz Höfler.
Vorbegrifflicher Teil.
Durch die Verminderung der wöchentlichen Stundenzahl an den Vorschulen der höheren Unterrichtsanstalten unserer Monarchie wurde der geographische Unterricht insoweit ebenfalls berührt, als die bis dahin für den heimatkundlichen Unterricht festgesetzten Lehrstunden mit dem Jahre 1883 in Wegfall kamen und der Beginn der Unterweisung in der Geographie in die Sexta jener Anstalten verschoben wurde.
Es entstand nun die Frage, inwieweit in dieser Klasse das ausgefallene Gebiet der Heimatskunde Berücksichtigung zu finden habe; ob sie in dem früher 22 der Vorschule gepflegten Umfange unter Benutzung der beiden für die Geographie angesetzten Lehrstunden eines Semesters erledigt werden solle, ob sie ganz auszufallen oder ob eine Beschränkung derselben in der Weise stattzufinden habe, dass nur jene Abschnitte aus derselben genommen werden, die zur Entwickelung der geographischen Grundbegriffe von Wichtigkeit sind.
Bei Beginn des geographischen Unterrichts treten dem Schüler eine solche Menge von neuen Begriffen und Verhältnissen entgegen, daß ein Außerachtlassen der Entwickelung und Erläuterung derselben die Vorteile des ganzen Unterrichts und den Erfolg desselben auf geraume Zeit hinaus in Frage stellt. Wird aber auf ihre sachgemüße Entwickelung eingegangen, so schafft sich der Lernende nicht nur eine außerordentlich feste Grundlage in der Anschauung, er ge- winnt nebenbei das notwendige Gefühl der Sicherheit, das ihn Neues um so leichter aufnehmen läßt, als es ihm nicht in einem Chaos von fremdartigen Dingen entgegentritt, sondern als eine Erscheinung, die zu bekannten nur neu hinzutritt, er also Muße und Gelegenheit hat, dieses Neue sicherer und genauer zu betrachten und das Wesen desselben kennen zu lernen. Zugleich wird durch diese Art der Einführung in den neuen Lehrgegenstand einem andern, dem deutschen, ein überaus wichtiger Dienst geleistet, indem durch das zielbewußtte Aneinanderreihen und Auf- bauen von Begriff zu Begriff die sprachliche Gewandtheit des Schülers gefördert, sein Denken und Schließen in richtige Bahnen geleitet wird.
Nach alledem konnte die Entscheidung nur der letzten Frage sich zuneigen, daß also der Beginn des geographischen Unterrichts sich die Heimat zum Gegenstande seiner Betrach- tung erwähle, indem er dabei alle jene Objekte erfaßt, die zur Entwickelung der geographischen Grundbegriffe und zur Erweckung der Anschauung von Bedeutung sind. Hand in Hand mit
1890. Progr. No. 394. 1


