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breit das Land. Ein solcher Durchbruch geht aber äusserst selten ohne vorhergegangene Hebung vor sich und zwar wird dabei alles Land kreisförmig gehoben und im Mittelpunkte dieses Kreises ist der Hauptherd der Erscheinung: der Lava speiende Krater.
Wo aber der Durchbruch nicht gelingt, wo der Widerstand, der dem Versuche entgegen gesetzt wird, zu gross ist, da werden Theile einstürzen und in ihrem Sturze die über ihnen ruhen- den erschüttern, ja vielleicht sogar ihren Zusammenhang aufheben und die nachdrängenden glühenden Wogen diese Erdenstelle in schwingende Bewegung versetzen, und so die Ursache eines Erdbebens werden. 1
Auch sein Erschütterungsgebiet gleicht einem Kreis, und wieder ist der Mittelpunkt dieses Kreises zugleich das Centrum der heftigsten Bewegung. Selbstverständlich kann dieses ebensogut im Meere als auch auf dem Festlande liegen. So ist das Centrum des Erschütterungs- kreises des Erdbebens von Lissabon im Jahre 1755 im Atlantischen Ocean zu suchen, der Radius des Kreises beträgt über 400 geographische Meilen, ebenso verlegt Professor Schmick den Mittelpunkt des Erdbebens von Peru, das den 13. August 1868 stattfand, neunzig geographische Meilen von Arica in den Stillen Ocean.— Die Ausbrüche von Vulkanen und die Erdbeben können nach unserer Theorie vollkommen gleichzeitig stattfinden, aber nothwendig ist es nicht. Die Vulkane sind aber demgemäss auch keine Sicherheitsventile, um das Platzen des Kessels, den wir Erde heissen, zu verhindern, sondern der Kessel, wenn der Ausdruck gestattet, ist da, wo ein Vulkan entstand, wirklich geplatzt, die Kraft des Druckes hat die Hülle zersprengt.
Nach dem Vorhergegangenen lässt sich noch für ein anderes Phänomen eine sehr ein- fache Erklärung finden. Alle Continente werden bekanntlich von vulkanischen Gürteln eingeschlossen. Diese ziehen aber immer an der Küste der Erdtheile hin, und zwar so, dass jene, deren Küsten am grössten Meere liegen, den mächtigsten Vulkangürtel aufweisen.
Nun sind im Stillen Ocean die grössten Tiefen gemessen worden, ¹) es liegt also dort die stärkste Senkung vor; der Widerstand, der dem Fortschreiten der Wogen im Erdinnern an den Rändern der bedeutendsten Senkung und stärksten Hebung entgegentritt, verursacht auf allen jenen unterirdischen Strichen einen dauernden Kampf, der erst dann seinem Ende naht, wenn der gesunkene Welttheil, der nun vom Ocean eingenommen wird, wieder emporsteigt und so der Welle freiere und gleichmässigere Bahn schafft.
Das Schauspiel erlischt aber damit nicht, sondern es greift nur eine Verlegung des- selben Platz.
So werden die vulkanischen Inseln der Südsee die Wegweiser zur Entdeckung des in diesen Ocean versunkenen Landes, so lehrt uns das Erlöschen der Eifelvulkane nichts anderes als das Uebergehen der benachbarten Senkung(Meeresarm bis nach Basel) in eine Hebung. Und der Umstand, dass auf der ganzen Nordküste des asiatischen Festlandes sich keine Vulkane be- finden, beweist zur Genüge, dass der Meeresboden des arktischen Oceans schon längst seine Auf- würtsbewegung begonnen hatte, bevor es noch ein sibirisches Tiefland gab, und dass die Gebirge vom Aral- bis zum Baikalsee einst von der Brandung des Eismeeres benetzt wurden.²) Die Vulkane liegen also stets an der Grenze zwischen Hebung und Senkung, sie sind aber nicht die Ursachen, sondern nur die Begleiter des Phänomens der Bewegung der Erdrinde. Ihre
¹) Von 40,000 Fuss— bis zur unergründlichen Tiefe. ²) 0. Peschel kommt zu demselben Resultate durch die Behauptung, dass die mittelasiatischen Seen
nichts anderes als Fiorde des früheren Eismeeres seien.


