22
hin streichen, sondern theilweise so verschiedene Directionen zu einander eingeschlagen haben. Auch wird nur dort ein Gebirge oder Hochland möglich sein, wo Land, nachdem ihm die Mög- lichkeit des Einsturzes gegeben war, nicht einstürzte; sondern erhoben blieb. Die von Osten oder Westen rückkehrenden Wogen heben erst das gesunkene Land, und versuchen dasselbe auch an dem nichtuntergegangenen. Es wird daher dieselbe Kraft, die nöthig ist, jenes Land zu er- beben, auch dort fortwirken, wo eine Hebung nicht nöthig ist; die wirkende Kraft wird aller- dings geringer geworden sein, weil ja auch der zu überwindende Widerstand geringer ist, aber sie wird doch fortwirken, wenn auch nur mit der halben Kraftentwicklung, wird die Kruste entweder noch mehr heben oder zersprengen, und dann im Hervorschleudern der glühenden Masse den Bau der Gebirge bewerkstelligen. Am mächtigsten wird sich das Gebirge dort auf- bauen, wo die grösste Senkung liegt, von da ab wird ein allmäliger Uebergang stattfinden, bis die Wogen keinen vereinzelten Widerstand mehr finden. Daher kommt es auch, dass grössere Gebirge stets am Meere liegen, oder wie Dana sagt: dass das grösste Gebirge stets dem grössten Meere folgt.
Schliessen wir noch weiter, so ergibt sich, dass alle untergegangenen Erdtheile keine grössere Gebirge besassen, oder, wo einzelne Züge mit erheblichen Gipfeln wirklich vorhanden waren, dieselben auch nicht vollkommen bei der Abwärtsbewegung unter die später diese tiefsten Erdstellen bedeckende See verschwanden, sondern als Inseln die Continente umgaben, oder es heute noch thun, und so theilweise die Lage früherer derselben bezeichnen.
Daher gibt es keine Insel ohne gebirgigen Bau und keine ohne irgend welche Erhebung. ¹)
Der Druck aber, der durch ein niedersinkendes Land auf die feurig-flüssige Masse aus- geübt wird, steigt im Verhältniss zur Grösse desselben.
Wäre das glutflüssige Erdinnere nicht von so ungeheurer Mächtigkeit, so würde jeder Einsturz eine Zertrümmerung auf der anderen Seite zur Folge gehabt haben. Nur stetig und nachhaltig wirkt die Kraft und nur dadurch ist es möglich, dass die Erde für lebende Wesen bewohnbar geworden ist.
Die fortschreitenden Wogen berühren jedoch nicht etwa eine durchaus platte Decke über sich, sondern diese wird, je nachdem sich ihre Bestandtheile mit der flüssigen Masse amal- gamiren, uneben, mit grösseren oder geringeren Vorsprüngen, Vertiefungen u. s. w. versehen sein, kurz sie wird das Bild der Oberfläche des Planeten wiederspiegeln. Deshalb kann es vor- kommen, dass mitten auf einer Ebene ein Berg zum Vorschein kommt, dass Hügel aufgeworfen werden oder domförmige Kuppeln dem Boden eutsteigen.
Der Hebel, der sie aus dem Innern der Erde emporhob, waren die Wogen der Glutsee, die durch seitliche Hindernisse in ihrem Gange aufgehalten, sich begegneten, nun mit vereinter Kraft das neue Hemmniss dadurch aus dem Wege räumten, dass sie es jäh in die Höhe schoben, mitten durch die schon längst erstarrte Kruste hindurch, dieselbe trennend und ihre Umgebung in Bewegung versetzend.
Sind diese Hemmnisse aber bedeutenderer Art, sind durch weiter vorgeschrittene Er- starrung die Massen widerstandsfähiger geworden, und zwar in dem Grade, dass in regelmässiger Wiederkehr eine gewaltige Stauung eintritt, so suchen die glühenden Massen ihre Hülle zu durchbrechen, und gelingt es ihnen, so verwüsten sie als ausgespiene glühende Lava weit und
¹) Ausgenommen die Atolle.


