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sie wurde in die allgemeine Bewegung hineingezogen und folgte derselben. Welcher Art war nun diese? Glich und gleicht sie einem Strome, der durch hohe oder niedrige Ufer eingedämmt, ruhig in seinem Bette dahinströmt, oder führt ihr Weg durch eine Unzahl subterrestrischer Kanäle, ¹) deren Verzweigungen das ganze Innere des Planeten durchziehen, oder ist es endlich ein glühendes Feuermeer, das wogt und fluthet und brandet wie die See über seiner Hülle?
Flösse diese flüssige Masse gleich einem Strome oder wie in Kanälen dahin, so entstünde noch die neue Frage, wo ist die Mündung dieses Stromes, wo liegt das Becken, das die Kanäle speist? Die Idee von einem ewig fliessenden Borne, der nie versiegt, kann kaum Anhänger finden: denn wo findet sich der»Urquell«, zu dem auch alles wieder zurückströme, ohne im Laufe zu erstarren, wo ist der Ersatz für das in Erstarrung Uebergegangene? Wenn aber dem Strome die Zuflüsse fehlen, wenn seine Quelle versiegt, so muss er schliesslich aufhören Strom zu sein, er muss aufhören zu fliessen und sein Ende ist das Nichts.—
Die Hypothese, dass das Innere unsrer Erde von einem hundertfältigen Netze von Adern durchzogen und durchwoben sei, in dem alle geschmolzenen Substanzen wie das Blut in thierischen Organismen cirkuliren, ist geistreich und sinnreich, aber es fehlt ihr wie dem ganzen supponirten Adernsysteme— das Herz und in Folge dessen auch die Lebenskraft oder vielmehr die Lebens- möglichkeit. Die Erde hat wie gesagt, das Abbild ihrer Tiefen auf ihrem Antlitze selbst eingegraben. Das Aeussere unseres Planeten verräth die Bewegungen seines Innern.
Der glutflüssige Erdkern bildet ein zusammenhängendes grosses Ganzes, das noch heute allen Raum innerhalb der durch ihn in Bewegung gesetzten eigentlichen Rinde oder Hülle aus- füllt. Er ist somit ähnlich einem See, der wol Wellen schlägt, dem aber die den Meeren eigen- thümliche Bewegung der Ebbe und Flut abzusprechen ist. Die Woge, die sich auf ihm bildet, verdankt ihren Ursprung einzig und allein nur dem Drucke, der auf ihre Oberfläche von der auf ihr lastenden bereits erstarrten Masse, d. i. also von dem Erdboden, auf dem wir leben, ausgeübt wird.
Die Geschwindigkeit und die Grösse der Woge wird bedingt sein von der Kraft des äusseren Druckes, von dem Raume, den zu durchlaufen ihr durch die Richtung dieses Druckes angewiesen ist, und durch die Rotation des Planeten, wenn der Druck in der Richtung derselben wirkt. Denn es liegt auf der Hand, dass dann eine grössere Geschwindigkeit und ein grösserer Umfang dem Bewegungsvorgange zu Theil werden wird. Danach folgt aber auch mit Noth- wendigkeit, dass der Weg, den die erste Welle des feurig-flüssigen See's einschlug, ihr im Grossen und Ganzen schon vorgezeichnet war durch das erste Erstarrungsprodukt, durch das erste Land- stück.— Wo liegt nun aber der Kreis, von dem aus die Abkühlung ihren Anfang nahm? Jedenfalls muss er nach unserer oben erwähnten Voraussetzung auf einer der Sonne nicht zu- gekehrten Seite der Kugel gelegen haben, weil nur dort der Vorgang des rascheren Abnehmens der Wärme möglich war.
Die heutige Lage und Gestalt der Continente dient uns als vortrefflicher Wegweiser. Bekanntlich gehen alle Festländer nach Süden zu in eine mehr oder weniger spitze Gestalt über, was Ritter die pyramidale Gestaltung der Continente nennt. Mit Ausnahme Afrikas lagern vor allen einzelne Inseln oder Gruppen von solchen. Von diesen sagt O. Peschel, dass sie ursprünglich mit dem Festlande in Verbindung waren und sich erst im Laufe der Zeit von ihm getrennt hätten.²) Diese Thatsache beweist aber zugleich: die Continente ragten in früheren
¹) Burmeister, Geschichte der Schöpfung. ²) Ceylon ausgenominen, das nie mit Vorder-Indien in Verbin dung war.


