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Alle angeführten»Landergänzungsstücke« verharren in ihrer Grundform fast ausnahmslos, sie bleiben dem Kreise getreu. Zwei sich widerstrebende Phänomene sind also in ihrer Ent- wicklung an dieselbe Grundform gebunden: an den Kreis.—
Wo Land ins Meer versinkt, bleiben kreisförmige Eiuschnitte zurück, wo Reste des Bodens dem allgemeinen Einsturze entgangen sind, da führen die Ueberbleibsel gleichsam zum Beweise ihres siegreichen Widerstandes gegen die Kraft der Tiefe die Krümmung des Kreises als Siegeszeichen. Und taucht nach Tausenden von Jahren das einstmals der See anheimgefallene Land wieder aus den Fluten empor, so vollendet sich der Prozess seines Werdens in der Ur- form: der Peripherie.
Ueberrascht fragen wir uns wol, ist vielleicht der ganze Vorgang der Entstehung unserer Erdoberfläche an die Kreisform gebunden? Wir behaupten es geradezu.
Alle Veränderungen, die auf einer Kugel vor sich gehen, müssen peripherisch sein, d. h. sie können aus der einmal gegebenen Kreisgestalt gar nicht heraus. Die Abkühlung einer glühenden Kugel wird aber so vor sich gehen, dass nicht auf einmal die ganze Kugel erkaltet, d. i. an Wärme verliert, sondern von einem bestimmten Punkte ausgehend die zunächst um denselben herum angrenzenden Theile, bis schliesslich die ganze äussere Fläche derselben erkaltet sein wird. Gesetzt nun, die Kugel sei während ihrer»Abkühlung« auf einer Seite einer grösseren Wärme ausgesetzt gewesen als auf der andern, so wird der Erstarrungsprozess sich verzögern müssen, aber sich doch immer noch vollziehen, wenngleich nicht im gleichmässigen Fortschreiten; es werden sich an einer bestimmten Grenze(die auch wieder nur ein Kreis sein kann) beide Kräfte, die ausdehnende und zusammenziehende begegnen und schliesslich die grössere der gerin- geren weichen müssen, nicht aber ohne zuvor Merkmale ihres Zusammenstosses hinterlassen zu haben, in der Aufwerfung oder Eindrückung aller jener Theile, wo ihr Zusammenstoss statt- gefunden.
Wenn nun unser Planet, wie angenommen, ursprünglich wirklich nichts anderes als eine grosse, im feurig-flüssigen Zustande befindliche Kugel war, so haben bei ihrer Abkühlung gewiss keine anderen Vorgänge obgewaltet, als die eben an unserem Experimente geschilderten.
Diese feurige und flüssige Masse konnte im Anfange ihres Seins unmöglich eine Be- wegung besitzen, sondern sie erhielt dieselbe erst, nachdem das Gleichgewicht der Masse gestört wurde durch den Prozess der allmäligen Erkaltung auf einer Seite und zwar auf jener, die der Quelle der Wärme gegenüber lag. Da die Erde im glühenden Zustande, wie alle Planeten, nur geringe Anziehungskraft besessen haben kann, so musste diese wachsen und zwar im Ver- hältniss zur Erstarrung der Oberfläche und mithin aus zwei Gründen auch in der gleichen Zeit- periode ihre Bewegung beginnen: in Folge der Störung des Gleichgewichts und der Zunahme der Anziehungskraft. ¹)
In demselben Zeitraume aber bestimmte sich aus den nämlichen Gründen die heutige Lage der Erdachse. In demselben Momente aber, in dem der Bewegungsprozess begann wurde die Abkühlung verzögert und konnte von nun an nur mehr sehr langsam fortschreiten. Zu gleicher Zeit kam ein neuer Faktor in Betracht: das ist die feurig-flüssige Masse, die der Er- starrung auf der Oberfläche noch nicht anheimgefallen war. Sie blieb ebenfalls nicht ruhelos,
¹) Howe führt in seiner Schrift:»Die beiden Urkräfte der Natur« zum Beweise an: Wenn nun aber aus allgemein anerkannten Grüunden die Wärme auf der südlichen Hälfte der Erde nicht in dem Grade zunimmt, in dem sie auf dem nördlichen abnimmt, so folgt daraus, dass die Anziehungskraft der Erde wenigstens gegen- wärtig in unserem Winter grösser sein muss als im Sommer, und dass wir also im Winter der Sonne näher sein müssen als im Sommer.


