Dasselbe bestätigt der britische Naturforscher für die Küste der la Plata-Staaten und Pata- goniens, wo er eine allmälige Hebung von über 1100 Fuss annimmt. An den Küsten Feuer- lands können wir uns vorläufig weder für Hebung noch für Senkung entscheiden, erwähnen aber der Behauptung Dana's, dass eine gerade Linie von der äussersten Nordspitze der Insel Nipon an bis zum Kap Horn gezogen, lauter sinkende Länder berühre.
Lenken wir schliesslich unsere Aufmerksamkeit noch den Inseln der Südsee zu, so lernen wir ein fast allgemeines Senkungsfeld kennen. Die Inselgruppen der Südsee bestehen ihrer Mehrheit nach aus Korallenfelsen und sind als solche nun entweder reine Koralleninseln oder auf vulkanischem Boden erbaut, von vulkanischem Gesteine durchbrochen und dann häufig zer- trümmert.
Nur ganz wenige sind rein vulkanischer Natur, wie z. B. die Marquesas-, Gesellschafts-, Samoa-, Fidschi- und Tonga-Inseln; alle genannten liegen fast in einer Reihe von Osten nach Westen zu; bei den letzterwähnten beginnen die theilweise vulkanischen Eilande, welche aber von einer Korallenbarriére umgeben sind, so die Loyalty-Inseln um Neukaledonien mit deutlich erkennbarer Senkung; weiter nördlich von diesen liegen nur eigentliche Korallen- Inseln, d. h. nur aus Korallenfelsen bestehende. Sie alle sind in gewaltiger Senkung begriffen; diese Senkung dehnt sich noch auf die ganze Osthälfte von Neuguinea aus, während die West- hälfte, weil in die Hebungsregion des Sundagebiets ragend, von diesem in ihren Bereich gezogen wird. Auch die Ostküste des australischen Continents ist von tausenden von Korallenriffs um- geben— man nennt sie in dieser Lage Barrenriffe— die alle langsam in die See tauchen, und in ihre Bewegung auch die Ostküste des Continents hineinziehen, der fast vollkommen der Nord- und Südrand folgt, mit alleiniger Ausnahme von Melbourne, wo Peschel eine Hebung anführt.
Neuseeland wiederholt das Schauspiel, das wir an den Küsten Grönlands beobachten konnten. Die Ostseite der Insel erhebt sich aus der See, die Westseite taucht in die Fluten.
Wenn wir den Verlauf der Senkung auf der Karte nach Westen hin verfolgen, so zeigt uns der 140. Meridian von Greenwich die beiläufige Grenze zwischen der aufstrebenden asiatischen und der sich senkenden polynesischen Inselwelt, oder mit anderen Worten: die Grenzen der Senkung im Westen der Südsee liegen dort, wo im Allgemeinen auch die Grenze zwischen Asien und Polynesien gezogen zu werden pflegt.
So sehen wir zugleich an der Scheidungslinie zweier Welttheile, zwei einander entgegen- gesetzte Phänomene sich abwickelen.
Ueberblicken wir nach dieser Zusammenstellung nochmals die Küstenbewegung der vier zuletzt besprochenen Welttheile, so ergibt sich uns folgendes Endergebniss:
Der ganze Norden Asiens hat an Land gewonnen, desgleichen ohne besonders bemerkens- werthe Unterbrechungen auch der Süden; dagegen scheint die mittlere Ostküste des Continents an Land zu verlieren, während die vorgelagerte Inselguirlande in entschiedener Aufwärtsbewegung begriffen ist; die asiatischen Gestade am Mittelmeer und Rothen Meer schliessen sich der Nord- und Ostbewegung des Continents an und nur im Persischen Meerbusen ist das Küstenland auf einer bedeutenden Strecke im Sinken.
Verfahren wir in ähnlicher Weise bei dem afrikanischen Festlande, so zeigt sich für einen grossen Theil der Ostküste eine Hebung, was auch für die Mittelmeerküste mit alleiniger Ausnahme der Nilmündungen zu gelten hat; über die Westküste lässt sich wenig Bestimmtes sagen, sie scheint sich überhaupt wenig verändert zu haben.


