Aufsatz 
Über die Ausdehnung der säkularen Bewegungen des festen Erdbodens : 1. Teil
Entstehung
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4.

behaupten, da Untersuchungen an Ort und Stelle nicht vorliegen; es liesse sich aber die Ver- muthung rechtfertigen, dass diese Erscheinung, wenn sie wirklich die westlichen Gestade in ihren Kreis einschliesst, dort jedenfalls unbedeutender zu Tage tritt, als am Rande des Atlantic.

Wir därfen aber sogar mit Gewissheit voraussetzen, dass die nordamerikanische Küste des Stillen Oceans von momentanen Hebuugserscheinungen heimgesucht ist, da ihrer ganzen Längsrichtung nach eine Vulkanreihe sich hinzieht, deren Dasein für diesen Küstenstrich gewiss nicht ohne Folgen bleibt. Ist ja doch nur in Folge seiner ausserordentlichen vulkanischen Thätigkeit auch das mittlere Amerika sowohl an der Küste des Grossen Oceans, als auch an der des Golfs von Mexiko gehoben worden, und die Hebung dehnt sich nordwärts bis nach Texas aus. Mit den Ufern des Mexikanischen Golfs wachsen auch zugleich die des Caraibenmeeres.

Es wird ferner ein Landgewinn angegeben bei Aspinwall(Colon) auf der Landenge von Panama, bei Karthagena und St. Martha.

Die Isthmus von Darien selbst, diese Verbindungsstrasse zwischen Nord- und Südamerika, ist eine Bildung neuerer Zeit. Der durch sie vereinigte amerikanische Continent bestand ursprüng- lich also aus zwei selbständigen Erdtheilen, wie das ihre Eutwicklung uns deutlich beweist.

Südamerika selbst liefert für unsern Zweck erhebliches Material. Ausgezeichnete Beob- achtungen zahlreicher Gelehrten und Naturforscher stehen uns hier zur Seite; wir erwähnen Pöppig, Humboldt, Fitzroy und Darwin, wobei der Letztere eine allgemeine Erhebung der Westküste für sicher annimmt und eine grosse Anzahl von Beweisen dafür aufbringt. Nach ihm culminirt die Erhebung in Chile, denn sie beträgt bei Valparaiso 400 Yards im Jahrhundert, verläuft, an Expansion langsam abnehmend, nordwärts bis sie bei Callao in ihr Gegentheil um- schlägt; ¹) denselben Gang wie nach Norden scheint die Bewegung auch südwärts einzuschlagen; denn auch nach dieser Richtung zu nimmt die Erhebung ab, da die alten Strandlinien auf der Insel Chiloe nur mehr 100 Yards über dem Meeresspiegel erhoben beobachtet wurden. Dem gegenüber sucht Boussingault aus einer Differenz seiner barometrischen Höhenmessung mit der von Humboldt vor fünfzig Jahren ausgeführten eine Senkung der Anden abauleiten.

Bemerkt verdient aber grade bei Besprechung der südamerikanischen Westküste zu werden, dass wir uns da um einen Hauptherd vulkanischer Thätigkeit bewegen, und dass die Küstengegend von Chiloe angefangen bis zum Mündungsdelta des Orinoco eines der Haupt- erschütterungsterritorien der ganzen Erde ist. Gewaltige Erdbeben, deren Wirkungen sogar Europa verspürte, erschütterten und erschüttern noch heute den Boden des Landes der Anden und veranlassen dauernde Veränderungen seiner Oberfläche. Das Erdbeben von Valdivia am 20. Februar 1835 hatte beispielsweise einen Flächenraum von ungefähr hunderttausend englische Quadratmeilen in Bewegung gesetzt und die chilenische Küste an dieser Stelle um durchschnitt- lich zwei Fuss gehoben. Dass es sich daher gerade an dieser Küste sehr schwer entscheiden lässt, was durch das säculare Aufsteigen dem Meere entzogen ward und was durch die vulkanische Thätigkeit, liegt auf der Hand.

An der Ostküste von Südamerika weist Darwin Hebungen bei Pernambuco in Brasilien nach, ebenso sollen auch die Ufer von Guyana aus den Wogen des Meeres emporsteigen. ²)

²) Oskar Peschel erwähnte dies ebenfalls und bemerkt dazu, dass Callao, vor ungefähr 300 Jahren erbaut, mit einzelnen Stadttheilen bereits im Wasser stehe.

²) Oskar Peschel bezweifelt diese Erscheinung und schiebt sie auf den Detritus des Amazonas, der durch die heftige Aequatorial-Strömung nach Norden getragen und an den Küsten abgelagert wird.

0. Peschel, Ueber Deltabildungen etc.