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Asiens wie Afrikas Küsten zeigen sich unserem Auge im Ganzen und Grossen Üäusserst ruhig; ob die Sache sich wirklich so verhält, werden wir im Späteren sehen; denn vorerst ist es nöthig, auch noch die Küsten der neuen Welt in Betracht zu ziehen und dasjenige auf- zuzeichnen, was zur Aufstellung und zum Beweise unserer Theorie von Interesse und Noth- wendigkeit ist.—
Die neue Welt führt wahrlich nicht mit Unrecht diesen Namen; denn kaum haben wir die Rundschau nach für unsern Zweck Passendem begonnen, so begegnet uns schon eine neue Erscheinung. Während die drei Erdtheile der sogenannten alten Welt an ihren Nordküsten fast ohne Unterbrechung Hebungen zeigen, belehrt uns das arktische Amerika eines Andern: wir finden dort eine Senkung vor. Diese Senkung dehntf sich wahrscheinlich über den ganzen Norden aus, mit der vielleicht einzigen Ausnahme der Halbinsel Aljaska, die wol von den vul- kanischen Aléuten tangirt wird, und in Folge dessen eine Hebung aufweist, hingegen dringt an der Westküste Grönlands die See siegreich vor. Der Däne Pingel hat festgesetzt, dass der Strand zwischen den 62—70°n. B. langsam ins Meer sinke.
Dagegen zeigt der Norden dieser Halbinsel wieder Hebung, als ob damit zugleich seine Zugehörigkeit zu Europa bezeichnet werden sollte. Oskar Peschel ¹) citirt zum Beweise dafür die Beobachtung des Polarreisenden Hayes, des Nachfolgers Kane's.»In Port Foulke, seinem Winter- hafen, lat. 78⁰0 12 n.,« sagt er,»erheben sich 23 alte Uferleisten stufenförmig bis zu 110 Fuss über den mittleren Seespiegel.« Den nämlichen Wahrzeichen begegnete er weiter gegen Norden an der Ostküste von Grinnell-Land. Sie werden von ihm als ein Beweis des Aufsteigens von Nordgrönland und der gegenüber liegenden Küsten angerufen, und setzt dann hinzu: »Auch schon Sir John Herschel hat in seiner physikalischen Erdkunde den älteren Angaben von Kane die gleiche Bedeutung beigemessen.« Somit hätten wir auf Grönland dieselbe Erschei- nung, wie bei der Insel Kreta, deren eine Küste im Sinken begriffen ist, während die andere aufsteigt.
Verlegen wir unsere Untersuchung vom äussersten Norden Amerikas in das Gebiet der arktischen und kanadischen Seenzonen, so begegnen wir fast durchgehends sich senkendem Lande. Lyell, der den nordamerikanischen Continent zweimal bereiste, theilt ihm mehrere Hebungen und Senkungen zu. Nach seiner Ansicht ist dieser Continent gleichsam aus dem Meere emporgewachsen, hat sich dann wieder in einzelnen Theilen bis unter das Niveau des Oceans gesenkt, wurde von ihm wieder überflutet, worauf er sich wieder langsam erhob, um heute aufs Neue in eine Abwärtsbewegung überzugehen.
Auch erkennt er in den Schichtenbildungen und der Lantrichtung der Ströme dem Norden ein höheres Alter als dem Süden zu. Zugleich zieht er aus der retrograden Bewegung der Wasserfälle des Niagara ²) den Schluss einer sehr langsamen letzten Erhebung des Nord- continents, auf die nun die heutige allmälige Senkung folgt. Diese letztere weist Lyell bei allen Staaten der Union, die am Atlantischen Meere gelegen sind, nach, und führt zur Erhärtung seiner Behauptung beispielsweise an, dass am Kap May an der Mündung des Delaware ein Haus vom Jahre 1804 bis 1820 um fast 150 Fuss dem Meere näher gerückt sei. Ob diese Senkungs- region auch den pacificschen Theil Nordamerikas berühre, lässt sich nicht mit Bestimmtheit
¹) Ueber das Aufsteigen und Sinken der Küsten.
²) Die Niagarafälle lagen ursprünglich weiter abwärts bei Queenstown, heute haben sie den Schauplat⸗z ihrer Thätigkeit 7 englische Meilen vom letzten Orte entfernt nach aufwärts verlegt, Lyell berechnet die Zeit, die sie zu dieser retrograden Bewegung nöthig hatten, auf 35,000 Jahre bei einem Fuss jährlichen Zurückgang.


