11 alle Anzeichen stimmen aber dafür, dass der Osten Asiens allmälig in die See sinkt. Nur eine Stelle an der Ostküste verdient eine besondere Beachtung: das Mündungsgebiet des Hoangho. Es ist bekannt, dass der Fluss sich ursprünglich weiter nördlich ins Meer ergoss; durch ein gewaltiges Kanalsystem und durch Eindämmungen wurde seiner Mündung die Richtung nach Osten angewiesen; allein der Fluss hat diese ihm künstlich gezogene Schranke im Jahre 1815 durchbrochen und durchströmt nun wieder sein altes Bett. Wir müssen annehmen, dass entweder die Küste des Golfs von Petschili sich gesenkt oder das Deltaland des Jantsekiang sich gehoben habe. Ohne Zweifel aber hat die Küste Ostasiens in der Tertiär-Periode der Erde viel Land- verluste erlitten, was wol auch die Golfe von Petschili und Tonking, sowie das Ocholzkische und Gelbe Meer beweisen. Eine grosse Senkung trennte die japanischen Inseln von dem durch ein Tiefland verbundenen Ostrand Asiens und stellte sie gleichsam als äusserste Grenzwacht des Ostens hin. Auch die erwähnten Inseln selbst dürften Antheil an der Senkung genommen haben, sowie ja überhaupt der gesammte Inselgürtel mit Einschluss der grossen und der kleinen Sunda- gruppe noch heute von Dana unter die sich senkenden Erddistricte gezählt wird.
Gewichtige Gründe sprechen aber gerade für eine Hebun g. Bekanntlich ist fast die ganze ostasiatische Inselwelt vulkanischer Natur. Die Kurilen allein zählen achtzehn thätige Vulkane, das nördlich angrenzende Kamtschatka deren neun; die vier japanischen Inseln sind ebenfalls vulkanisch; die süd-südöstlich von diesen gelegenen Philippinen setzen die Vulkanreihe fort, die über die Molukken südwärts bis Timorlaut geht, von wo sie sich westwärts wendet, die kleinen Sunda-Inseln bildet, die grossen in ihren Kreis zieht, um dann in nord-nordwestlicher Richtung weiter streichend, noch die Andamanen und Nikobaren in ihr Gebiet aufzunehmen und auf der Insel Tscheduba bei der Küste von Arrokar zu endigen.
Nun haben wir aber schon bei Europa gelegentlich der Aufzählung der Hebungen gefun- den, dass dieselben stets auch auf vulkanischem Boden zu finden sind, gewöhnlich sogar da am deutlichsten und ausgeprägtesten; wir können daher nicht umhin, für alle erwähnten in der Vulkanzone gelegenen Inseln ebenfalls eine Hebung anzunehmen, wenn auch diese Hebungen, wie schon bemerkt, nicht die wünschenswerthe, constante Regelmässigkeit zeigen, wie sie für unsern Zweck eigentlich vorausgesetzt wird. ¹)
Was nun die Südküste Asiens anbelangt, so soll Pegu ²) eine Hebung zeigen und auch das Irawadithal davon nicht ausgeschlossen sein, auch will man aus der Laufveränderung einiger Mündungsnebenflüsse des Ganges auf eine Erhebung seines Deltalandes schliessen. ³)
Ein Aufsteigen der Küste von Koromandel wird bestätigt; ja es ist sogar wahrscheinlich, dass die ganze Küstenlinie bis zur Gangesmündung in Hebung begriffen ist. Für gewiss ange- nommen und geologisch bestätigt wird die Hebung von Ceylon, denn Korallenbildungen werden an den Küsten der Insel sichtbar, die untrüglichsten Beweise von Hebungen des Meeresbodens. Im Arabischen Meerbusen senken sich die Atolle der Maladiven und Lakadiven und die südlich des Aequators gelegenen Chagosinseln.
Die Senkung berührt wahrscheinlich auch noch die Küste von Malabar und das Mündungsland des Indus, wo im Jahre 1819, in Folge eines Erdbebens ein grossartiger Land- einsturz, der des Rin von Kutsch stattfand, wobei auf der Nordseite die entgegengesetzte Er-
*) Welche unermessliche Kraft noch heute im Erdinnern ruht, zeigt sehr augenscheinlich das plötzliche Aufsteigen des 13,300" hohen Fusiyama auf Nipon im Jahre 285 v. Chr., sowie des Jorullo in Mexiko.
¹) O. Peschel, Neue Probleme. 1
³) O. Peschel, ibid.


