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Betrachten wir nun nach dieser Darstellung die Karte Europas, so zeichnet sie uns folgendes Bild: Der ganze Norden fällt in die Region der allgemeinen Erhebung; auf diese folgt südlich ein ziemlich breiter Gürtel der Senkung, und im Süden des Erdtheils finden wir wieder die Hebung vorherrschend.
Ziehen wir eine gerade Linie vom Bristol-Kanal bis nach Tilsit, so trennt diese fast vollkommen die nördliche Hebungsregion von dem südlichen Senkungsgürtel; eine zweite Gerade parallel gezogen zur ersten mit dem Ausgangspunkte Cette an der südfranzösischen Küste und dem Ende zwischen Nawaginks und Suchumkale am Schwarzen Meer begrenzt im Süden die allgemeine Senkung; unterhalb der letzten Linie dehnt sich die grosse südeuropäische-nord- afrikanische säculare Erhebungsregion aus, die bis zum Deltalande des Nil sich erstreckt.
Benützen wir noch eine dritte und vierte Linie als Verbindungslinie der beiden vor- erwähnten Geraden und legen die erstere von Brest durch Comacchio nach Akka; die letztere von Abo nach Baku am Kaspisee, so berührt die eine lauter sinkende Länder, die zweite im Ganzen sich hebende; innerhalb des entstandenen Vierecks liegt aber die mittel- europäische Senkung. Wir werden auf dieses Resultat im Laufe unserer Besprechung noch einmal zurückkommen, wenden uns aber zur Erlangung eines Gesammtüberblicks vorerst den anderen Erdtheilen zu, um zu erfahren, wie weit auch auf den fremden Continenten die Phä- nomene der säcularen Bewegung der Küsten oder Länder erwiesen und bekannt sind. Wahr- scheinlich sind die Ergebnisse viel weniger günstig als bei Europa und zwar wohl aus dem Grunde, weil dieser Erdtheil, wie Peschelsagt, unter ganz besonders strenger Controle seitens der Gelehrten steht.
Als wir vorhin die dritte der angegebenen Hülfslinien zogen, traf diese mit ihrem Ende Akka und Syrien. Hiermit berührten wir den Boden des asiatischen Continents. Gleich bei unserem ersten Betreten der Küste von Syrien begegnen wir bei Jaffa sich hebendem Lande; die Hebung ist nach Norden und nach Süden zu bemerkbar, nach dieser Weltgegend zwar in geringerem Massstabe, aber um so deutlicher nach jener. Nur bei Beyrut dringt das Meer sieg- reich vor. ¹) Von der Südküste Kleinasiens liegen keine Beobachtungen vor, sehr unbedeutende von der Westküste der Halbinsel. Zwar behauptet O. Peschel ein Steigen dieser Küste und beruft sich zum Beweise dafür auf die Beobachtung, dass die Ruinen der früheren Städte Ephesus, Smyrna und Troja landeinwärts gerückt worden seien. Dem gegenüber constatirt aber Hallier ein Sinken der Küste und stützt seine Behauptung auf den Umstand, dass man bei Tyrus. Tolmessus, Malvi, Kahova, Joppe, Caesarea und Caipha zahlreiche Ruinen am Boden des Meeres sähe, ähnlich wie bei Abukir und Alexandria, da sie derselben Senkung angehörten. Burmeister und Ule scheinen ebenfalls der Ansicht zu sein, dass wir es hier mit einer Senkung zu thun haben.
Ist der Schluss von Verhältnissen an gleichbeschaffenen Küsten erlaubt, so könnte man allerdings vermuthen, dass, da die kleinasiatische Westküste und die Ostküste des Adriatischen Meeres Aehnlichkeiten aufweisen, dieselben Erscheinungen, die für Dalmatiens Gestade massgebend waren, auch auf das kleinasiatische ihre Anwendung finden können, dass also auch hier eine Senkung vorherrsche.— Dass die ganze Nordküste Sibiriens sich hebe, haben wir schon oben bemerkt. Schlagen wir auf unserer Wanderung vom Ostkap Asiens den Weg nach Süden an der Ostküste des Continentes entlang ein, so stossen wir auf grossartige Landveränderungen;
¹) 0. Peschel, Neue Probleme, Seite 98.


