— und Grossen die erstere Erscheinung aufweist, finden sich doch in dieser Hebungsregion einzelne
Stellen, die eine entschiedene Senkung verrathen. Wir haben es hier wahrscheinlich mit einer zweiten Kraft zu thun, mit der vulkanischen.
Denn jene Punkte der Hebungsregion, die schon einmal eine entschiedene Abwärts- bewegung ausgeführt haben und nun wieder im Aufsteigen begriffen sind, liegen in Gebieten vulkanischer Thätigkeit. Es sind die Orte in der Nähe des Vesuv, der Liparischen Inseln, die sich ja durch grossartige vulkanische Thätigkeit auszeichnen, und Gegenden im Umkreise des Aetna. So hat beispielsweise der Boden, auf dem der bekannte Serapistempel steht, erst eine Senkung erfahren, dann folgte eine Hebung ¹) und jetzt sinkt der Tempel wieder allmälig ins Meer. Das Hebungsgebiet reicht übrigens auf der Westseite der Halbinsel viel südlicher (ungefähr bis zum Golf von Neapel) als auf der östlichen; obwohl nun der berühmte Geograph Peschel nur ein Hebungsgebiet bis Pesaro annehmen zu müssen glaubt, vermuthen wir doch, dass es noch nördlicher reiche, denn es ist von Ravenna bekannt, dass sein Hafen zur Römerzeit der Stationsplatz der römischen Flotte war, heute grünt in dem vormaligen grossen Hafen der schönste Pinienwald Italiens. Und Daniel sagt in seiner Beschreibung der Alpenhalbinsel von der Küste an den Pomündungen, dass sie sich immer mehr in festes Land verwandele. ²) Auch die gegenüberliegende Dalmatinische Küste südlich von Zara gehört in die Reihe der sich hebenden Landstriche, während nördlich davon Fiume, Triest, die istrische Halbinsel fast ganz, so wie die friaulische Küste mit der Stadt Venedig ³) immer tiefer sinken. Von den italischen Inseln werden Sicilien und Sardinien in die sich hebenden gezählt; auf Sicilien berechnet man sogar an einzelnen Stellen eine Hebung bis zu 1000 Fuss; inwieweit hier vulkanische Kräfte oder die
allgemeine Bewegung der Erdrinde in Betracht zu ziehen sein werden, bleibt wohl einer späteren Forschung zu untersuchen.
Dass die Ostküste in früherer Zeit eine Senkung, wahrscheinlich in Folge einer vul- kanischen Eruption durchzumachen hatte, dürfte der alte Meeresstrudel der Scylla und Carybdis beweisen; denn wir halten diese Stelle für nichts anderes, als einen Krater, der die Landbrücke zwischen ltalien und Sicilien bei einem heftigen Ausbruche zertrümmerte und so die Verbindung der beiden Länder für lange Zeit aufhob.— Was von Sicilien behauptet wird, gilt auch von Sardinien; nach einer Feststellung de la Marmora's soll die Insel sich heben, und zwar ungefähr 38 Meter im Jahrhundert.) Auch das Inselgebiet zwischen Afrika und Sicilien scheint der Aufwärtsbewegung unterworfen zu sein, ebenso wie die ganze Nordküste von Afrika. Gerade diese Strecke des Mittelmeeres aber zeichnet sich durch ihre submarine vulkanische Thätigkeit aus. ⁵5) Diese setzt sich nach Osten zu fort und bezeichnet auf ihrem ganzen Wege einen Er- hebungsgürtel, als deren Endpunkte Ferdinandea und Santorin zu betrachten sind, wobei noch als besonders bemerkenswerth erscheint, dass beide Inseln fast unter demselben Parallelkreise liegen. Es fällt also die Südküste der Halbinsel Morea ebenfalls in das Gebiet der säcularen Hebungen. Auch die Küsten des Schwarzen Meeres scheinen davon nicht ausgeschlossen zu sein; denn es werden Beweise für den Südost- und Südwestrand erbracht; während allerdings die nördliche Küste der säcularen Senkung anzugehören scheint.
¹) Daniel, Handbuch der Geographie, Seite 122.
²) Daniel zählt Venedig zu den sich hebenden Städten.
²) Seit dem 16. Jahrhundert um 3 Fuss. S. O. Peschel,»Neue Probleme,« Seite 91. ⁴) Oskar Peschel, Ueber das Aufsteigen und Sinken der Küsten der Festlande.
²) Die Insel Ferdinandea stieg plötzlich aus dem Meere empor, ging aber bald wieder unter. Musterschule 1877. 2


