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unbedenklich die Palme zuerkennen mõöchte: der Stadt St. Louis selbst. Naturgemâß übertraf sie schon râumlich alle anderen bei weitem; aber, was viel mehr ins Gewicht fällt, auch inhaltlich zeichnet sie sich in jeder Hinsicht vorteilhaft aus. Der Fachmann fand bald heraus, daß hier ein überlegender Geist einen umfassenden, wohldurchdachten Plan bis in seine Einzel- heiten hinein sorgsam durchgeführt hatte: kurz, die Vorzüge der deutschen Schulausstellung kehrten hier im amerikanischen Ge- wande wieder, und das konnte nicht wundernehmen, wenn man sah, wer die leitenden Mäânner im Schulwesen der Stadt St. Louis waren. An der Spitze steht ein Deutscher, Schulsuperintendent Soldan, ein geborener Schulmann, der die starken und die schwachen Seiten des amerikanischen Schulwesens richtig er- kannt hat; ihm zur Seite stehen wieder meistens Deutsch- amerikaner, die mit bewundernswertem Fleiß alle Einzelheiten der Ausstellung durchgeführt hatten, sodaß das Ganze einen harmonischen Eindruck machte, um so mehr, als auch inhaltlich diese Ausstellung wohltuend abstach von vielen anderen. In den Volksschulen zumal war überall nur auf das wirklich Er— reichbare hingearbeitet, und jene amerikanischen Auswüchse und Ubertreibungen an sich guter Gedanken fehlte hier vollständig: es waren durchweg gute, gesunde Leistungen innerhalb der natürlichen Grenzen. Dieses Urteil konnte man um so sicherer fällen, als die Ausstellung der Stadt St. Louis überall, wo Hefte und Zeichnungen erschienen, sämtliche Klassenleistungen um- faßte, also alle Hefte ohne Unterschied, während die übrigen Gemeinden und Staaten immer nur eine beschränkte Auswahl aus den Heften vorgelegt hatten, einige, wie 2. B. fast alle kalifornischen Schulen, gar nur Reinschriften, wodurch natürlich die ganze Arbeit viel am Originalwert verlor.
So bot, wie das ganze amerikanische Schulwesen, besonders die Schulausstellung in St. Louis mannigfache Anregung und Belehrung. Mag auch vieles in dem unfertigen Zustand, in dem augenblicklich noch fast alles in Amerika ist, sehr unvollkommen, manches geradezu falsch sein, so ist doch das Studium des amerikanischen Schulwesens in seiner Gesamtheit vor allem sehr lehrreich in einem Punkte, den ich zum Schluß als den wich-— tigsten hervorheben mõchte: es zeigt uns selbst in der unvoll- kommenen Gestalt, die ihm notwendigerweise noch vielfach an- haftet, daß die Schule, wenn sie ihrer Aufgabe voll und ganz gerecht werden will, nur einen einzigen Zweck haben kann: der
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