Aufsatz 
Eine Studienreise nach den Vereinigten Staaten
Entstehung
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maßvolle Verwendung dieser Bilder neben der nüchternen Darstellung durch das geschriebene Wort ohne Zweifel auf beide Seiten des Unterrichts, den fachlichen sowohl wie den Zeichenunterricht, anregend wirken können. Daß in Amerika, dem Lande der Übertreibungen, wo jede gute ldee gleich von kurzsichtigen Enthusiasten zu Tode gehetzt wird, starke Aus- wüchse auch dieses guten Gedankens vorkommen, das konnte man wieder deutlich in St. Louis auf der Ausstellung wahrnehmen. Hier sei nur ein Beispiel davon angeführt: ein Volksschüler hat im englischen Unterricht des ersten Jahres folgendes Gebet aufgeschrieben:

God, make my life a little light,

Within the world to glow,

A tiny flame that burneth bright,

Wherever l may go; und als Illustration dieses Seelenlichtes hat das Kind treuherzig ein Nachtlicht daneben gemalt!

Bezeichnenderweise haben die Japaner diese enge Ver- bindung von Sprache und Bild zum Ausdruck der Gedanken rückhaltlos angenommen; für sie freilich ist es eine beinahe von selbst sich bietende Notwendigkeit, wenn wir bedenken, daß ihre Schriftzeichen von Hause aus überhaupt nur Bilder sind und zwar zunächst unverständliche, deren Bedeutung erst mühsam gelernt werden muß, während die wirklich zeichnerische Dar- stellung mühelos zu lesen ist. Wenn wir aber sehen, daß ein so ruhiges und klar denkendes Volk wie das der Schweden auch diese Vereinigung von Wort und Bild auf allen Unterrichtsstufen angenommen hat, so könnte uns diese Tatsache allein schon ver- anlassen, auch unsererseits in bescheidenen Grenzen einen Ver- such damit zu wagen, von dessen Gelingen ich von vornherein überzeugt bin, allerdings unter einer Bedingung: daß der betref- fende Fachlehrer selbst zeichnen kann oder wenigstens über die Grundgesetze dieser Kunst hinreichend unterrichtet ist, um die Arbeit des Schülers im Zusammenhang mit der schriftlichen Leistung zu beurteilen. Darin scheint mir vorläufig noch die Hauptschwierigkeit für die Einführung dieses Gedankens bei uns zu liegen.

Nirgends auf der ganzen amerikanischen Ausstellung habe ich diese Verbindung von Wort und Bild so maßvoll und da- her so erfolgreich angewandt gesehen wie in der Ausstellung derjenigen Stadt, der ich unter allen amerikanischen Ausstellern

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