nachher ebenso wieder nach Hause fahren müssen— im Winter treten geheizte Schlitten an die Stelle der Wagen—, so mutet uns das an wie eine Bellamysche Utopie; für den Amerikaner aber sind dies alles nur praktische Konsequenzen der obliga- torischen freien Volksschule, zugleich aber auch ein schöner Beweis für die wirklich anerkennenswerte Opferwilligkeit der Schule gegenüber. Kein Wunder daher, daß ein großer Teil der amerikanischen Schulausstellung regelmäßig durch Photographien prachtvoll ausgestatteter Schulgebäude gebildet wird.
Aber nicht bloß aus diesem letzteren Grunde eignet sich das amerikanische Schulwesen vielleicht besser als das der meisten andren Staaten zur Ausstellung; als sehr günstig für diesen Zweck kommt noch hinzu, daß der ganze Unterrichts- betrieb von Hause aus viel mehr auf schriftliche Dar— stellung berechnet ist als anderswo, namentlich in Deutschland. Auch in solchen Fächern, in denen wir vor allem auf die münd- liche Beherrschung des Stoffes ausgehen, wie Geschichte, Erd- kunde, Naturbeschreibung u. a., ja sogar in Musik und Rhetorik, läuft der ganze Unterrichtsbetrieb schließlich auf schriftliche Prüfungen hinaus, deren Ergebnisse sich naturgemäß sehr gut für eine Ausstellung verwerten lassen. Aber grade darin zeigt sich sofort schon eine der Hauptschwächen des ganzen Systems: die klägliche Abhängigkeit des Unterrichts vom gedruckten Buch, womit notwendigerweise die mechanische Aneignung einer Menge oft unverstandenen Lehrstoffs Hand in Hand geht, und als natur- gemätßse Folge die ganz einseitige UÜberschätzung der schriftlichen Leistung, der gegenüber die mündliche geringe oder gar keine Bewertung findet. Was grade dieser letztere Umstand z. B. für den Unterricht in den neueren Sprachen bedeutet, kann jeder Fachmann sofort leicht ermessen: auch sie werden in den weitaus meisten Fällen wie tote Sprachen gelehrt, wobei jedoch sehr bemerkenswert ist, daß die schriftlichen Ergebnisse dieses einseitigen Unterrichts, wie sie als Übersetzungen zu Tausenden auf der Ausstellung vorlagen, gradezu als kläglich bezeichnet werden müssen: mit ganz wenigen Ausnahmen wimmelten diese Ubersetzungen von den gröbsten grammatischen Fehlern und wiesen so gut wie nie auch nur einen Funken von fremdem Sprachgefühl auf.
Freilich darf man mit dieser Art des Betriebs der neueren Sprachen, gegen die übrigens neuerdings auch von Amerikanern schon gewichtige Einwendungen erhoben werden, nicht ganz so
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