BeiI weitem den breitesten Raum nahm naturgemäß die amerikanische Schulausstellung ein, vor allen Dingen aus dem schon oben erwähnten Grunde, daß jeder Einzelstaat der Union seine Sonderausstellung veranstaltet hatte. In einer Hin- sicht war diese ewige Wiederholung derselben Schulsysteme sehr lehrreich: zeigte sie doch in überraschender Weise, bis zu welchem Grade das ganze Schulwesen dieses riesigen Landes trotz der Verschiedenheiten im einzelnen, trotz der gradezu ge- fährlichen Unabhängigkeit und Freiheit jedes Staates nicht nur, sondern jeder einzelnen Gemeinde, trotz des Mangels jeder höheren Einheit, jeder behördlichen Regelung doch in seinen Grundzügen einheitlich aufgebaut und in fast einförmiger Gleichheit überall durchgeführt ist. Innerhalb des Deutschen Reiches herrscht ganz entschieden eine zehnfach grõßere Verschiedenheit in der Organisation des Schulwesens als hier in Amerika, wo der praktische Sinn der Bevôlkerung überall von vorn herein die- selben Grundformen eingerichtet hat, denen sich die besonderen örtlichen Verhältnisse jeweils sehr leicht anpassen können. Diese prinzipielle Gleichheit der Schuleinrichtungen ist grade bei dem außerordentlich raschen Wechsel der Bevölkerung amerikanischer Städte äußerst wichtig; infolge dieser Verhältnisse ist die Um— schulung der Kinder für einen Amerikaner, der von Boston nach San Francisco oder von Seattle nach Neu-Orleans zieht, viel leichter als etwa für einen Deutschen, der von Frankfurt nach Heidelberg oder von Leipzig nach Nürnberg übersiedelt.
Ein anderer, gleichmäßig in allen Staaten wahrnehmbarer Zug des amerikanischen Schulwesens ist die außerordentliche Freigebigkeit der Schulunterhaltungspflichtigen, die sich be- kanntlich nicht bloß auf die Unentgeltlichkeit der Volksschule sowohl wie der High School und der Staatsuniversitäten erstreckt, sondern auch die weitestgehende Lehrmittelfreiheit gewährt, sodaß sämtliche Bücher, Hefte, Schreib- und Zeichengeräte sowie die kostspieligen Anlagen für Handfertigkeits- und Haushaltungsunter- richt von der Gemeinde geliefert werden. Wenn wir aber sehen, daß z. B. die Stadt Chicago eine eigene Schule für verkrüppelte Kinder unterhält, die auf städtische Kosten jeden Tag in ihrer Wohnung mit Wagen abgeholt und nachher wieder ebenso zu Hause abgeliefert werden; wenn wir ferner sehen, daß in manchen Landgemeinden im Staate Minnesota grundsätzlich die Beförderung sämtlicher Schüler und Lehrer zur Schule für eine gewisse Summe an Fuhrwerksbesitzer verpachtet wird, die sie dann
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