Aufsatz 
Eine Studienreise nach den Vereinigten Staaten
Entstehung
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regelrechte Schultätigkeit wieder eingesetzt hatte. So fuhr ich denn allmählich die ganze Westküste der Vereinigten Staaten entlang von Vancouver in Kanada über Seattle, Tacoma und Portland nach San Francisco, der gewaltigen Metropole des Westens, und von da bis nach Los Angeles in Südkalifornien. Der Besuch der höheren Schulen San Franciscos, der großartigen Universitäten Kaliforniens: der Staatsuniversität in Berkeley und der privaten, namentlich in ihrer außeren Ausstattung wunder- baren Leland-Stanford-Universität in Palo Alto, sowie der be- rühmten Lick-Sternwarte bei San José bot wieder reichen Stoff zu speziellen Fachstudien, und andrerseits lernte ich das Wunder- land Kalifornien genau kennen, sowohl in der wilden Schönheit seiner Gebirgswelt, die in dem herrlichen Vosemitetal, dem Glanz- punkt aller landschaftlichen Reize der Neuen Welt, ihren Höhe- punkt erreicht, wie auch in der erstaunlichen Fruchtbarkeit seiner sonnigen Taâler mit ihrer üppigen Obst- und Blumenzucht und ihrem unvergleichlichen Klima, nach dem sich jeder, der einmal dieses gesegnetste aller Länder der Erde betreten hat, immer wieder zurücksehnt.

Im Oktober trat ich dann von San Francisco aus eine neue Reise an, die als Rundreise gedacht war und die Erforschung des mittleren Felsengebirges zum Zweck hatte. Ich fuhr ostwärts durch die öden Sandwüsten von Nevada und Utah nach der Mormonenstadt am Großen Salzsee, die übrigens hinsichtlich ihrer Schulbauten einen ganz hervorragenden Eindruck macht, von da durch das wilde Kolorado, wo ich hoch oben in den Bergen von Cripple Creek die jüngsten und reichsten aller Goldgruben Amerikas besuchte, weiter nach Denver am Ostabhang des Felsengebirges, das sich eines außerordentlich vorgeschrittenen Schulwesens erfreut. Von hier aus wollte ich südlich in weitem Bogen durch Neumexiko und Arizona an dem Canyon des Großen Koloradoflusses vorüber nach Südkalifornien zurückfahren, mußte aber in Colorado Springs wegen der gewaltigen Regengüsse, die jeden Bahnverkehr im Süden hinderten, umkehren und wieder nach San Francisco fahren, von wo aus ich dann Südkalifornien erreichte, und schließlich konnte ich von Los Angeles aus doch noch das grôßte der vier ernabenen Naturwunder Amerikas, den gewaltigen Canyon des Koloradoflusses in Arizona, besuchen, der wegen seiner alle Vorstellung übersteigenden gigantischen Maße und wegen der toten Starrheit der Natur mit Recht für das riesigste aller Naturwunder der Welt gilt.