im Staate lowa, teils wieder in und bei Chicago, teils in Minnea- polis und St. Paul, den eleganten Schwesterstädten am oberen Mississippi. Dabei lernte ich aus eigener Anschauung das Leben der einfachen Farmer wie der reichen Großindustriellen kennen und gewann einen Einblick in die Eigenart technischer Groß- betriebe, wie z. B. der Riesenschlächtereien und der Pullman- werke in Chicago, der Mahl- und Sägemühlen in Minneapolis, welch letztere vielleicht der charakteristischste Ausdruck echt amerikanischer Arbeitsweise sind. Die Kenntnis solcher sozialer und wirtschaftlicher Faktoren aber ist auch für den unumgaànglich nötig, der nur rein geistige Faktoren, insbesondere auch das Schulwesen, drüben studieren will, weil wohl in keinem Lande das Schulwesen und überhaupt das geistige Leben so entschieden von jenen materiellen Faktoren beeinflußt, ja gradezu beherrscht wird wie eben in Amerika.
Ende August trat ich dann von Minneapolis aus die Reise nach dem„Fernen Westen“ an, nach dem Felsengebirge, in dem ich zuerst den Vellowstone Park mit seinen in geologischer Hin- sicht so hochinteressanten Naturwundern besuchte, dann den waldreichen Nordwesten, das jüngste Kulturgebiet der Union, wo man tatsächlich noch die Städte mit„amerikanischer“ Ge- schwindigkeit aus dem Boden emporschießen sieht als lebendige Zeugen der Kulturfähigkeit dieses Landes der„unbegrenzten Möglichkeiten“. Stehen doch alle diese Staaten, wie Montana, ldaho, Washington, Oregon, Kalifornien, erst am Anfang ihrer Entwickelung, deren weiteren Verlauf, namentlich im Hinblick auf die Entfaltung der amerikanischen Macht auf dem Großen Ozean und am Panamakanal, man hõchstens ahnen, aber noch nicht ermessen kann. Am lehrreichsten in dieser Beziehung sind solche aufstrebenden Städte wie Seattle, Tacoma, Portland u. a. Für den Schulmann ist dabei besonders bemerkenswert die Tat- sache, dats in allen diesen jungen Kulturzentren die Entwickelung der geistigen Interessen, vorab des Schulwesens im engeren Sinne, mit der materiellen Erschließung zum mindesten gleichen Schritt hält, nicht selten aber ihr vorauseilt. Das beweisen die großen Opfer, die grade hier im äußersten Westen sowohl von Staat und Gemeinde wie von einzelnen Privaten für die Einrichtung höherer Bildungsanstalten gebracht werden, bei denen in Europa die so wichtige„Bedürfnisfrage“ rundweg verneint würde. Von diesen Bestrebungen konnte ich mich selbst um so besser über-— zeugen, als inzwischen mit Beginn des Monats September die


