Aufsatz 
Die sozialen Fragen der Gegenwart im evangelischen Religionsunterricht höherer Schulen / von L. Hochhuth
Entstehung
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(Joh. 2), ist seinen Eltern gehorsam gewesen(Lk. 2. 51), hat am Kreuz noch für seine Mutter gesorgt(Joh. 19,26 f.) und die Pflichten gegen die Eltern höher als die zeremonial-gesetzliche Frömmigkeit (Ilt. 15, 3 9) geschätzt, obwohl er unberechtigten Eingriffen der Familienangehörigen in seinen Beruf auch entgegengetreten, ist (Mt. 12, 47 50; Joh. 2, 4; 7, 3 f.). So wenig wie Christus ist Paulus ein Feind der Frau. Nach Bebel sagt Paulus freilich 1. Kor. 7, 38: die Ehe ist ein niedriger Stand, in Wirklichkeit weist Paulus um der erwarteten Trübsal willen auf das Bedenkliche einer Heirat in einer solchen Zeit hin. Wo diese Rücksicht sich ihm nicht aufdrängt, stellt er die Ehe sehr hoch(Eph. 5, 31 33). Auch Galat. 5, 16, 17, 24 soll der Hals gegen das Fleisch den Haſs gegen die Frau bedeuten, was Bebel durch Unterschlagung von V. 19 konstruiert, wo als die Werke des Fleisches Ehebruch, Hurerei, Unreinigkeit, Unzucht genannt sind. Wie reimt sich auch der Hals gegen die Frau mit Eph. 5, 25 u. 28; 1. Kor. 11, 7; Kol. 3, 195 Wenn so die Ehe eine Gemeinschaft ist, in der alle sittlichen Kräfte an- gespannt werden, dann wird sie in ihrer sittlichen Reinheit auf alle Weise zu erhalten sein, denn wo sie noch nicht zersetzt ist, kann die Milsachtung des persönlichen Lebens, wodurch die Sozialdemo- kratie in den schärfsten Gegensatz zur christlichen Religion tritt, nicht aufkommen. Es finden sich in einem gesunden Eheverhältnis Gedanken und Erfahrungen, an die das Christentum anknüpfen kann.

Die wahre christliche Vollkommenheit sieht die evangelische Kirche nach Art. 16 darin, daſs christliche Liebe und rechte gute Werke ein jeder nach seinem Berufe beweise. Damit ist dem Be- rufe ebenfalls die lang entbehrte sittliche Weihe wieder gegeben. Wo im Neuen Testamente vom Berufe die Rede ist, wird stets der himmlische, allen Christen gemeinsame Beruf bezeichnet(Phil. 3, 14; 1. Kor. 1. 9; 2. Tim. 1, 9; 1. Phess. 2, 12: 1. Petri 5. 10). Neben ihm hat ein jeder noch seinen besonderen Beruf irdischer Art. Durch Milsverständnis des Verfahrens Jesu, daſs er Petrus und Johannes von den Fischernetzen, Matthäus von der Zollstätte hinwegrief, hat die kath. Kirche die beiden nicht vereinigen können, sondern geglaubt, das Trachten nach dem Himmelreiche sei am ersten unter Aufgeben des irdischen Berufes möglich(Einsiedler, Klöster). Die evang. Anschauung, nach welcher Christenleben grade in der täglichen Arbeit sich auswirken kann, der himmlische Beruf also gerade in der treuen Erfüllung des irdischen Berufes, sofern dieser ein sittlich berechtigter