gewesen sei, wird von der wissenschaftlichen Forschung durchaus nicht allgemein zugegeben.1) Westermarck sagt z. B., Globus 1891, Nr. 9:„Die Gemeinschaft von Mann und Weib, Eltern und Kindern war die früheste soziale Einheit. Der Urmensch lebte nicht in Horden, sondern in Familien. Der Vater machte stets— als Beschützer von Mutter und Kind— einen integrierenden Bestandteil der Familie.“ Wie dem auch sein mag, mag der Hordenzustand der ur- sprüngliche gewesen oder durch Degeneration entstanden sein, die Ein- ehe bleibt für uns die einzige sittliche, allein richtige Verbindung der Geschlechter, weil wir mit Christus sie als den Gedanken der Schöpfung (Mt. 19) hochhalten und in ihr allein die natürliche zu einer sitt- lichen Ordnung wird. Das Aufgeben der Monogamie würe ein Rückschritt in der sittlichen Entwicklung. Der Naturzweck der Ehe ist die Fortpflanzung der Menschheit; die wirtschaftlichen Auf- gaben, die ihr als der kleinsten wirtschaftlichen Gemeinschaft er- wachsen, sind zu verschiedenen Zeiten verschieden gelöst worden, ihre Lösung kann auch in der Zukunft allerlei Wandlungen unter- liegen; mit dem Naturzweck eng verbunden ist die wichtigste sitt- liche Aufgabe, die Kindererziehung, welche in der Monogamie allein in eiper sittlichen Weise möglich ist(vergl. S. 19). Die zweite sittliche Aufgabe der Ehegatten ist die gegenseitige Erziehung, die aus der Kindererziehung wichtige Anregungen und Erleichterungen erhält. Für den allerdings nicht normalen Zustand, daſs Kinder- segen versagt ist, bleibt sie die einzige sittliche Aufgabe; es gehört zu ihrer Lösung eine grolse sittliche Frische. Daſs dieser sittlichen Ordnung Christus und die Apostel feindlich oder gleichgiltig gegen- überstanden, ist ein sehr verkehrtes Resultat der sozialdemokratischen Bibelauslegung. Nach Mt. 19, 11,12, meint Bebel, gehörte Christus einer Sekte an, die Selbstentmannung lehrte, während das Wort heilst, dals um des höchsten Gutes, des Reiches Gottes, willen der Mensch unter gegebenen Umständen wie auf Reichtum(der reiche Jüngling), so auch auf die Ehe verzichten muſs. Christus hat sehr gern die sittlichen Beziehungen der Menschen unter einander und die religiösen zu Gott im Bilde der Familie: Vater, Sohn, Brüder, das Gottesreich im Bilde einer Hochzeit dargestellt und sich selbst den Bräutigam genannt(Mt. 9, 15). Er hat eine Hochzeit besucht
¹) Sehr reiche Litteratur über diese Frage giebt von Oettingen in dem obenerwähnten Aufsatze.


