Aufsatz 
Die sozialen Fragen der Gegenwart im evangelischen Religionsunterricht höherer Schulen / von L. Hochhuth
Entstehung
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Ordnung, ist der Christ Gehorsam schuldig, er wird aber auch der rechtlichen Ordnung seines Volkes nicht plos mit Zurückhaltung oder gar Gleichgiltigkeit gegenüberstehen, sondern er wird durch aktive Beteiligung daran die Rechtsbildung so zu beeinflussen suchen, dals durch immer stärkere Entwicklung christlicher Frömmig- keit und Sittlicheit das Ideal des Gottesreiches mehr und mehr verwirklicht wird. So setzt die evangelische Kirche ihre Ehre darein, nicht das regierende Haupt, sondern das warmschlagende Herz des Staates zu werden, das unbestechliche Gewissen in seiner Brust. Neben dem Gehorsam gegen die Obrigkeit ist zu- gleich das treue Festhalten an den in der Geschichte zur Entwick- lung gekommenen Formen der Obrigkeit christliche Pflicht. Die Königstreue eines Christen, sein Festhalten an der monarchischen Staatsform erklärt sich aber nur aus den besonderen geschichtlichen Verhältnissen, nicht etwa daraus, daſs diese Staatstorm vom Evan- gelium bevorzugt wird.

Die Ehe und die Familie sind in ganz besonderem Malse das Zie] der sozialdemokratischen Angriffe gewesen; denn die Wand- lung zur monoganischen Ehe ist schlielslich für alles Elend in der Welt verantwortlich zu machen, da mit ihr zugleich das Privat- eigentum und der Unterschied der Stände sich entwickelte. Ur- sprünglich war nämlich nach sozialdemokratischer Anschauung all- gemeine Gleichheit. Es fand unter den Menschen unterschiedslose Vermischung statt zwischen Eltern, Kindern und Geschwistern. Da so der Vater häufig unbekannt plieb, schaarten sich die Kinder um die Mutter, der allein ein Recht über sie zustand. In allmählichem Fortschreiten fand später geschlechtliche Verbindung nur zwischen Nichtverwaudten statt, aber immer noch unterschiedslos; das Mutter- recht kam hier zu seiner Blüte. Weiter entstand die Paarungsehe, d. h. die zu jeder Zeit lösbare Ehe zwischen einem bestimmten Manne und einem bestimmten Weibe, aus ihr ging die Monogamie hervor, mit welcher alsbald die Herrschaft des Mannes, das Privat- eigentum und der Unterschied der Stände sich entwickelte. Eine Rettung aus dem Elend, welches darauf folgte, ist nur durch Rück- kehr zu dem früheren Zustande möglich, statt der Monagamie ist eheliche Verbindung auf Zeit das Ziel der Sozialdemokratie. Dals in der geschichtlichen Entwicklung der Ehe, welche zweifellos auch nach den Zeugnissen der Bibel stattgefunden hat, der Ausgangs- punkt jener von der Sozialdemokratie angenommene Hordenzustand