rung zu einem sittlichen, wahrhaft christlichen Gebrauch desselben, und die alte germanische Tugend der Mannentreue darf nicht durch es getrübt werden.„Möge nie der Tag kommen, wo in einem der deutschen Stämme die hingebende, in Not und Tod zum Fürsten stehende Unterthanentreue erkalte, durchhaucht und getragen von dem Mannesmute des Christen.“— In welcher Weise die Forde- rungen an die christlichen Knechte ihren Herren gegenüber(2, 18 ff. und Eph. 6, 5— 8) verallgemeinert und auf das Verhältnis von Arbeiter und Unternehmer angewandt werden können, ist bei Naum ann, Das soziale Programm, S. 122— 124, nachzulesen, bezeichnender- weise sind aber in demselben Abschnitte bei Naumann die Pflichten der Unternehmer an die Spitze gestellt(S. 112—115), weil sie haupt- sächlich zur Besserung der heutigen Verhältnisse beitragen können, ihre Pflichten können an Eph. 6, 9 angeknüpft werden.— Die Pflichten der Ehegatten in K. 3 werden in ähnlicher Weise Eph. 5, 22— 33 besprochen; die Fortsetzung in Eph. 6, 1— 4 lenkt unsere Aufmerk- samkeit auf den weiteren Kreis der Familie, so daſs man hier mit Heranziehung von I. Kor. 7 über Ehe und Familie in christlicher Auffassung und deren Bedeutung für die soziale Frage die Schüler aufklären könnte(vergl. hierzu S. 41). Auch die evangelische An- schauung vom irdischen Berufe, die bei 4, 10— 11 zur Darstellung kommt, ist in dem abschlieſsenden Teile(S. 43 f.) behandelt.
Die Kirchengeschichte im Ganzen mülste, wie Münch(S. 285) es wünscht, weniger Geschichte der groſsen kirchlichen Politie, als geistliche Kulturgeschichte sein. Zu dieser letzteren rechnet er auch „die Beziehungen zwischen der Religion und den tausendfachen Nöten der wirklichen Welt.“ Es würde also darzustellen sein, wie in der Entwicklung der christlichen Kirche das neue Gebot der Braderliebe erfüllt worden ist. Nach dem trefflichen Buche Uhlhorn's die christliche Liebesthätigkeit, 3 Bde., Stuttgart 1882— 1890, mülsten wenigstens die Hôhepunkte der Liebesthätigkeit, von denen uns vielfach das ganze geistige Leben der betreffenden Periode beleuchtet wird, anschaulich in abgerundeten Bildern dargestellt werden. Ich versage es mir ungern, und zwar lediglich aus Mangel an Raum, derartige Skizzen hier einzuflechten; übrigens findet sich eine kurze Darstellung der diesbezüglichen Thätigkeit der evangelischen Kirche bei Achelis prakt. Theologie II, S. 285— 330.
Von einzelnen Preignissen der Kirchengeschichte ist besonders das Auftreten der Wiedertäufer in Münster, welche die Forderung der Güter- und Weibergemeinschaft mit einem fanatischen Hasse


