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Armen hat das Gesetz gesorgt. Die Milde und Barmherzigkeit des jüdischen Volkes haben einen religiösen Grund. Weil Gott barm- herzig ist, müssen auch sie barmherzig sein, die Armen dürfen nicht verachtet werden, weil Gott sich ihrer ganz besonders annimmt (1. Sam. 15, 22, Jes. 28, 7— 10, 3. Mos. 19, 17). Es ist schon die Knospe der barmherzigen Liebe des Neuen Testaments, die infolge nationaler und gesetzlicher Verschränkungen sich nicht zur Blüte entfalten konnte. Die vielfach milden Bestimmungen über die Fremden hätten zu einer universalen Fortbildung der Liebe führen können, in Wirklichkeit trat aber durch den immer mehr sich entwickelnden Nationalstolz eine Rückbildung ein, so dals der Fremde als Feind zu hassen war(Mt. 5, 43). Aufserdem fehlt ihr die Frei- heit des Neuen Testaments, welche, die Gesinnung der Liebe fordernd, Art, Umfang und Gelegenheit der Barmherzigkeit völlig frei läfst, während das Alte Testament sie im Gesetz bestimmt; in solchen einzelnen gesetzlich bestimmten Liebesthätigkeiten erschöpft sich die Liebe so sehr, daſs z. B. das Almosengeben die Gerechtig- keit selbst ist(Tob. 4, 5 ff., 12, 9; Sir. 3, 33, 29, 15; Dan. 4, 24; Ps. 17, 5) und aus den gesetzlichen Wohlthaten der Pharisäer die Liebe ganz verschwindet(Mt. 6). Endlich ist bei den Juden die Gottes- und Nächstenliebe nicht kombiniert, die eine ist ohne die andere möglich, was in der von Christus verlangten Liebe absolut undenkbar ist.
So hat Jakobus Recht, wenn er in seinem Briefe dieses Gebot geradezu das königliche Gesetz(2, 8), das Gesetz der Preiheit(2, 12), und die Nächstenliebe, die sich darin pethätigt, dals man die Waisen und Witwen in ihrer Trübsal besucht, einen reinen und unbefleckten Gottesdienst vor Gott, dem Vater, nennt(1, 27). Auch für ihn ist der Glaube, die Hingabe an Gott, zu bpethätigen in praktischer Nächstenliebe(2, 14— 16). Die in Christus Brüder geworden sind, dürfen nicht mit„argen Gedanken“ die Mitmenschen nach arm und reich, hoch und niedrig beurteilen(2, 1— 4), nicht neidisch und zanksüchtig sein(3, 13 ff.), nicht afterreden und richten(4, 11). Wer sein Herz an die Freuden und Güter der Welt hängt, setzt sich in Feindschaft wider Gott,„wer der Welt Freund sein will, der wird Gott Feind sein“(4, 4). Besonders eindringliche Ermahnungen für die Begüterten unserer Tage enthält K. 5, und es klingt, als ob es für manchen hartherzigen Fabrikanten unserer Zeit geschrieben würe, wenn es da V. 4 heilst:„Siehe der Arbeiter Lohn, die euer Land
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