Aufsatz 
Die sozialen Fragen der Gegenwart im evangelischen Religionsunterricht höherer Schulen / von L. Hochhuth
Entstehung
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Im Hinblick auf den Ursprung allen Besitzes soll mandem Bruder, welcher bedürftig ist, gerne leihen und zwar ohne Zinsen(3. Mose 25, 35 37; 5. M. 15, 1 10); die soziale Stellung der Armen war nicht schlecht, da Gott sie besonders schützt(2. M. 22, 21 ff.; 5. M. 25, 3943; 5. M. 24, 1013). Die Arbeit gilt als eine Schöpfungsordnung(1. M. 2, 15), ihr Unsegen und ihre Härte als eine Folge des Sündenfalles. Der Sabbat ist der Tag der Ruhe nach derMühe der Woche, Kanaan das Land relativer Ruhe nach der Drangsal in Egypten. Der Arbeitsertrag ist der Lohn Gottes für geleisteten Gehorsam, ein Segen Gottes, nicht ein Ver- dienst des Menschen. Herr und Knecht stehen im besten Ver- hältnis zu einander, mochte letzterer nun freier Tagelöhner(3. M. 19, 13), Knecht oder Leibeigner sein; letzteres wurde er nur durch freien Willen(3. M. 25, 39) oder, wenn er eine heidnische Mutter hatte. Da sie, ob Herr oder Knecht, Jehovah gegenüber alle Knechte, unter sich also gleich waren, durfte auch dem Dienenden kein religiöses Recht verkürzt werden, wie Familienglieder nahmen sie an der Sabbatsruhe und den Festen teil(4. Gebot). Auch sonst war in zartester Weise ihre menschenwürdige Stellung gewahrt. Der Unfreie wird stets nach 7 Jahren(2. M. 21, 2) und sofort nach einer schweren Milshandlung frei(2. M. 21, 26). Mit der Freiheit erhält er Gaben(5. M. 15, 13), damit er nicht durch Mangel sofort wieder der Knechtschaft verfällt. Es ist bekannt, wie das Gesetz in ebenso milder Weise sogar für die Haustiere, die ja auch Knechtsdienste thun, gesorgt hat. ¹)

Im Katechismusunterricht soll nach den Lehrplänen und Lehr- aufgaben von 1891 nur wiederholt werden, es liegt aber nahe, die durch Verfügung des ÜUnterrichtsministers vom 18. Oktober 1890 für den Religionsunterricht in Volksschulen empfohlene Haustafel des lutherischen Katechismus hier durchzusprechen, um den Zu- sammenhang der von Gott geordneten Gemeinschaften zur Darstel- lung zu bringen. ²) In dem Katechismus der Bezirkssynode Wies- baden, der das Bekenntnis der Nassauischen Union zum Ausdruck pringt, ist statt ihrer das 4. Hauptstück:Die Nachfolge Christi zu benutzen, besonders Frage 77. Wie willst du deine Liebe zu deinen Nächsten erweisen? 78. Wie soll es nach Gottes Ordnung

¹) F. J. Kübel, Die soz. und volkswirtschaftl. Gesetzgebung des Alten Testaments, 2. Aufl., Stuttgart 1891. ²) Trebst, Die christliche Haustafel, 2. Aufl., Leipzig 1892.