Aufsatz 
Die sozialen Fragen der Gegenwart im evangelischen Religionsunterricht höherer Schulen / von L. Hochhuth
Entstehung
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Stellung zu Gott(1. Gebot 1. Artikel, Anrede im Vaterunser), zum Eid(3. Gebot) ¹), zum Sonntag(4. Gebot), zu den Eltern, den Herrn, dem König(5. Gebot und 4. Bitte), der Familie(7. Gebot, die all- gemeinere Auslegung, daſs ein jeder in seiner Stellung, nicht nur die Ehegatten gegenseitig, die Heiligkeit des Familienlebens wahrt, ist den Kindern eher zugänglich), dem Eigentum(S. Gebot). Auch Sprüche aus dem Spruchkanon der betr. Anstalt werden mit Nutzen heranzuziehen sein(Ps. 111, 10; 73, 25, 26; Mt. 5, 37; 16, 26; Jak. 1. 27; Pph. 6. 13; Hebr. 13, 17; Röm. 13, 12; Eph. 4, 28; 4, 28; Ps. 14: 1; 1. Joh. 4, 16; Ps. 37, 5; Ik. 19, 10; Phil. 2. 8; Mt. 20. 28; Spr. 23, 26; Apg. 5, 29, Hebr. 13, 16), Kirchenlieder dagegen sollten hierzu nicht verwandt werden.

II. Die Mittelstufe.

Die in der Unterstufe gewonnenen Vorstellungen bilden den eisernen Bestand für alle weiteren Klassen, sie werden vertieft und ergänzt und, soweit es die Zeit, die Fassungskraft der Schüler und andere Umstände erlauben, in Beziehung zu dem sonstigen Wissen der Schüler gesetzt. Das Pensum der Untertertia ist die Geschichte des Reiches Gottes im Alten Testament. Hierbei sollte die soziale Gesetzgebung des jüdischen Volkes nicht unberücksichtigt pleiben, sie bildet eine für unsere Zeit wertvolle Ergänzung des Dekalogs, nicht in dem Sinne, als sollte sie in unserer Zeit wieder aufleben, sondern ihr Wert ist ein zeitgeschichtlicher; wir sehen, wie ein Volk unter bestimmten Voraussetzungen, in bestimmten geschichtlichen Verhältnissen seine sozialen Angelegenheiten auf religiöser Grund- lage geordnet hat. ²) Durch diese religiöse Grundlage ist sie so bedeutungsvoll und darf hinter dem Bilde der sozialen Entwicklung in Rom, in welches sich das Gymnasium mit so liebevoller Sorgfalt vertieft, nicht zurücktreten. In ISrael tritt die Rivalität der Stände nicht hervor, weil es solche überhaupt nicht gab; denn alle Israe-

¹1) Diese muſs bei der leichtfertigen Auffassung der Sozialdemokratie vgl. Fliegenschmidt S. 114 ff. und der wachsenden Zahl von Meineiden sehr bestimmt gekennzeichnet werden. 3

²2) Stöcker, S. 182 ff., hat nach Art der Schwarmgeister gern Worte des Alten Testaments benutzt und sieht in der Mosaischen Gesetzgebung Ideale, die auch für uns noch malsgebend sein sollen; vgl. Uhlhorn S. 38.