Aufsatz 
Die sozialen Fragen der Gegenwart im evangelischen Religionsunterricht höherer Schulen / von L. Hochhuth
Entstehung
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mülste an einzelnen Geschichten gewonnen, am Schluſs des Jahres in einer konzentrischen Frage:Jesus der Armenfreund zum Abschluls gebracht werden. Im Einzelnen: Jesu Versuchung in Parallele zu der des ersten Menschenpaares zeigt, wie irdische Güter(tägliches Brot, Ruhm, Herrschaft) uns in den sittlichen Aufgaben kein Hemmnis werden dürfen. Der Hauptmann von Kapernaum, ein guter Herr, hat einen treuen Knecht(thue das, so thut er's), sie zeigen uns wie Abraham und Elieser das richtige Verhältnis von Herr und Knecht. Wir haben auch einen treuen Herrn, der uns die Schuld erläſst, aber von uns seinen Knechten auch gegenseitig Erlaſs der Schuld verlangt(Schalksknecht, Verhältnis der Menschen zu einander, 5. Bitte). Die Menschen sollen nicht nur gegenseitig die Schuld erlassen, sondern Gutes thun und ihren Besitz nicht selbst- süchtig der sie umgebenden Armut vorenthalten(der reiche Mann und der arme Lazarus), das Muster wahrer Nächstenliebe ist der barmherzige Samariter. Der reiche Kornbauer denkt nur an irdischen Genuls, er ist nicht reich in Gott(unsere Stellung zum irdischen Gut). Christi Stellung zum Sabbat, des Christen Sonn- tagsheiligung. Jesu Wort über den Zinsgroschen fordert vom Christen Gehorsam gegen den Staat. So werden im Anschluſs an die biblische Geschichte und in einfacher dem Alter entsprechender Weise besprochen: des Christen Stellung zu Gott, dem König, dem Staat, den Mitmenschen, dem Herrn, dem Knecht, den Unglücklichen und Armen, den irdischen Gütern, dem Eigentum, Eid, Sonntag, Arbeit, den Ständen. Der Schüler wird vor einigen der in der Gegenwart verbreitetsten Laster gewarnt, zu einigen für unsere Zeit wichtigen Tugenden ermahnt und zwar mit bestimmter Beziehung auf die Sozialdemokratie. Inwieweit diese Beziehung nur im Bewulst- sein des Lehrers pleibt und inwieweit sie dem Schüler deutlich aus- gesprochen wird, mufs dem Takte des Lehrers und den besonderen örtlichen Verhältnissen überlassen bleiben, m. E. werden die Ziele der Sozialdemokratie mit der wachsenden Reife erst deutlicher dar- zulegen sein.

Die gewonnenen Resultate können an b) dem Katechismus zu- sammengefaſst werden ¹), besonders in den Geboten ²), des Christen

¹) A. Jäger, Die soz. Frage nach ihrer wirtschaftl. u. ethischen Seite III, Seite 104 f., will nur Bibelunterricht mit Ausschlufs jedes Katechismus.

2) Borgstede, Die soziale Frage beleuchtet durch die 10 Gebote, Berlin 1891, etwas gar zu deklamatorisch, in Einzelheiten brauchbar.