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der Kleinen in die Erſcheinung fällt, wird die mütterliche Unterhaltung zur Vorſtellung und rechten Benennung bringen, und damit auch einen kleinen Vorrath von abſtrakten Vorſtellungen und deren Benennungen anlegen helfen. Mit allem Dieſen wird ſie der künftigen Bildungsarbeit der Schule an ihrem Kinde die unentbehrlichſten Dienſte leiſten. Die ganze wirkliche Welt der Erſcheinungen liegt ja außerhalb der Schule. Nur dort kann die Seele des Kindes die Vorſtellungen, mit den ſie klar und deutlich feſthaltenden Benennungen in der Wirklichkeit und an der Wirklichkeit ſchöpfen, an die die Schule nur anknüpfen kann, um dann den bereits gewonnenen ſachlichen und ſprachlichen Gedanken⸗ vorrath immer mehr und mehr reproductiv zum Bewußtſein zu bringen, vergleichend und unterſcheidend zu ſichten und zu ordnen, und für den ſprachlichen und Real⸗ Unterricht mit fortſchreitendem Verſtändniß handhaben zu lehren. Erſt auf dieſem, außerhalb der Schule gewonnenen, von ihr nur reflectirend geordneten Unterbau kann die Schule ſodann den geiſtigen Neubau der von ihr zu tradirenden Begriffe aufführen.
Die Bilder des Anſchauungs⸗Unterrichts bieten ja nur ein ſehr dürftiges Surrogat für dieſen außerhalb der Schule zu ſammelnden Vorrath von Vorſtelluugen und Begriffen, und haben überall nur Werth, wenn ſie nur daran erinnern, und das nur anſchaulich wieder vergegenwärtigen ſollen, was das Kind wenigſtens der Art nach bereits aus lebendiger Anſchauung kennt.
Indem aber die Mutter als rechte chawa Sprache und Gedanken weckend dem Schulleben ſo weſentlich vorarbeitet, übt ſie über das Schulleben hinaus für das ganze Leben ihres Kindes die heilbringendſte Wirkſamkeit. Sie bewirkt's, daß vom erſten ſee⸗ liſchen Erwachen ihr Kind zu ſinniger Anſchauung und Betrachtung der Dinge angeleitet wird und Freude findet an ſolcher ſinnigen Anſchauung und Betrachtung der Welt. Das Kind einer ſolchen mütterlichen Pflege wird nicht gedankenlos durch die Welt wandern, denkend wird es die Welt und ihre Erſcheinungen begrüßen und noch als Mann wird es durch den heitern Ernſt des Gedankens durchs Leben geleitet. Es iſt gepanzert gegen Müſſiggang und Langeweile und die verderblichen Abſchweifungen in deren Gefolge. In beſchäftigungsloſeſter Vereinſamung findet ſein aus dem Realen und an dem Realen Ge⸗ danken zu ſchöpfen gewöhnter Geiſt überall in der Anſchauung oder der Erinnerung An⸗ regung zu geiſtiger Thätigkeit und geiſtigen Genüſſen, und die geiſtige Richtung, die der mütterliche Finger einſt der Kindesſeele gegeben, ſchützt noch den Jüngling und den Mann vor dem Verſinken in entgeiſtigende Sinnlichkeit—
Kein Surrogat giebt es für dieſe mütterliche Pflege und Leitung des geiſtigen Er⸗ wachens der Kinder, wie überhaupt es kein Surrogat giebt für das, was vor der Schule und neben der Schule an erziehender und bildender Wirkſamkeit den Eltern verbleibt.


