Aufsatz 
Von dem Zusammenwirken des Hauses mit der Schule
Entstehung
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vollſtändig, und nicht zu laut und nicht zu leiſe, nicht zu raſch und nicht zu ſchleppend zu ſprechen, es muß das Kind geübt werden, das, was es ſagen will, richtig, d. h. deut⸗ lich und verſtändlich zu ſagen, es muß gewöhnt werden überhaupt etwas ſagen, vor Allem gewöhnt, das ſagen zu wollen, was es ſagen ſoll, es muß das Kind von Haus aus ſprechen lernen, muß im Fragen, vor Allem auch im Antworten gewöhnt und geübt ſein, wenn man es mit der allererſten Vorbedingung der Schule übergeben will. Gar manches Kind ſpricht ſo leiſe, iſt ſo wenig zu antworten gewöhnt, man hat ſo wenig mit dem Kinde geſprochen, jedenfalls ſo ſelten und ſo wenig außer dem unmittelbar naheliegenden Bedürfniß es gefragt, daß die Schule ſich lange gedulden muß, bevor ſie das erſte Wort auf eine Belehrungsfrage von ihm zu hören bekommt, und es ſomit der Schule übergeben ward ohne das geiſtige Verbindungsmittel mitzubringen, deſſen der Lehrer zu ſeiner unter⸗ richtenden Einwirkung bedarf.

Und denken ſollen die Kinder von der Mutter lernen, die Namen, die richtigen Namen aller Dinge, die es ſieht, und der Eigenſchaften, die es an ihnen wahr⸗ nimmt, nach Stoff, Form, Farbe u. ſ. w. Alle ſeine Sinne ſind auf dieſem Wege in Wahrnehmung, Vergleichung und Unterſcheidung der Dinge und ihrer Eigenſchaften, auch nach ihrer Gradverſchiedenheit, zu üben. Habe nur einmal eine ſinnige Mutter ihrem Kinde Butter, Wachs, Kork, Holz, Stein und Eiſen zum Fühlen und Vergleichen ge⸗ geben, und es werden ſeine Fingerchen ſchon von ſelbſt ſich in ähnlichen Unterſcheidungs⸗ proben an allen ihm zugänglichen Stoffen üben. Und wie ſein Taſtſinn, ſo auch ſein Auge und Ohr, in Auffaſſung der Farben⸗, Ton⸗, Form⸗ und Größen⸗Unterſchiede ꝛc. Mit jedem neu erkannten Merkmal und deſſen richtiger Benennung wird der Geſichtskreis ſeines Denkens erweitert und ſein Sprachſchatz bereichert. Und eine unendliche Fülle von Un⸗ terhaltungsſtoff bieten ihr alle Dinge in dem Umkreis der Kleinen, ſie kann ihnen er⸗ zählen von dem Stoff, aus dem ſie bereitet ſind, und von den Menſchen, die ſie be⸗ reiten, wie von denen, die ſie gebrauchen, kann damit Vorſtellungen von Nützlichkeit, Zweckmäßigkeit, Annehmlichkeit, Schönheit wecken und für dieſe Vorſtellungen und deren Gegentheil die rechten Benennungen bieten. Und ſie braucht nicht zu fürchten, ihre kleinen Zuhörer durch Wiederholung zu ermüden. Die wortdurſtige Seele des Kindes hört gerne erzählen, hört, was es ſchon zehnmal weiß, gerne zum elften Male wieder, freut ſich daran ſchon im Voraus zu wiſſen, was nun kommen wird, und wenn ſich dann mit der klaren Vorſtellung immer das rechte Wort dafür verbindet, einprägt, ſo iſt das ein nicht genng zu ſchätzender Gewinnſt. Auch Alles, was der Menſch kann und der Menſch ſoll und nicht ſoll, ſeine geiſtigen und ſittlichen Fähigkeiten, gute und nicht gute Eigenſchaften menſchlicher Charaktere und Handlungsweiſen, ſo weit dies Alles in der kleinen Welt