Aufsatz 
Von dem Zusammenwirken des Hauses mit der Schule
Entstehung
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alles Lebendigen. Alles, was athmet und lebt, was ſich organiſch entwickelt und wächſt, kann auf ihre mütterliche pflegende Theilnahme rechnen, und die jungen Menſchenpflanzen, die mit ihrer geiſtigen Entwickelung zur Mutter wie zu ihrer Sonne ſich hinneigen, ſie ſollten es nicht? Schau nur den fragenden Seelenblick deines Kindes, er wird dir ſagen, was du zu thun haſt.

Wie aber das Haus, vor Allem die Mutter, die erſten fünf, ſechs Jahre für die geiſtige Entwickelung des Kindes, der Schule vorarbeitend, benutzen ſollte? Soll ſie dafür ſorgen, daß das Kind ſchon leſen, ſchon das Einmal Eins ꝛc. könne, wenn es zur Schule kommt? Nichts von allem dem, nichts von dem, was zum eigentlichen Penſum der Schule gehört. Solches bruchtheilweiſe Vorgreifen der Schule iſt oft mehr hindernd als nützlich. Das Kind kann doch ſeiner ganzen übrigen geiſtigen Entwicklungsſtufe nach des erſten Schul⸗ elementarunterrichts nicht entbehren, und findet nun in den Stunden, die der von ihm bereits erlangten Fertigkeit gewidmet ſind, keine genügende geiſtige Anregung, keine Be⸗ ſchäftigung, lernt theilnahmlos einem Unterrichte anwohnen, das Gefährlichſte für ſein ganzes Schulleben.

Die Mutter hat Beſſeres und Wichtigeres, hat ihr Kind das zu lehren und darin es zu üben, wozu die Schule wiederum meiſt nicht Zeit hat, für die individuelle Uebung nicht Zeit haben darf, was das Kind nach ſeinen individuellen Anlagen und jeder Menſch iſt ein individuellesWeſen für ſich jedenfalls beſſer und leichter und voll⸗ kommener von der Mutter, als durch die Schule lerut, und was es in die Schule mit⸗ bringen muß, wenn dieſe nun hoffnungsreich ihre Wirkſamkeit an ihm beginnen ſoll.

Nicht leſen ꝛc., wohl aber, was viel wichtiger iſt, denken und ſprechen, richtig denken, richtig ſprechen, und zu dieſem Ende richtig ſehen, richtig hören, mit Bewußtſein und Verſtändniß ſeine Sinne üben, mit Bewußtſein und Verſtändniß wahrnehmen, und das Wahrgenommene richtig unterſcheiden und richtig nennen, das einmal Wahrgenommene, Gedachte und Genannte bewahren, es auf Verlangen im Geiſte wieder anſchauen, wieder denken, wieder nennen, mit Einem Worte, lernen ſoll das Kind von der Mutter lernen. Wie ſie es körperlich gehen gelehrt, ſoll ſie es auch geiſtig gelenk und in der rechten Rich⸗ tung ſich bewegen lehren, ſoll es lehren und üben, ſeine Sinne, ſeine geiſtigen Vermögen, ſeine organiſchen Fähigkeiten zur Erreichung oder Herſtellung eines beſtimmten, vorge⸗ dachten Zieles mit Bewußtſein und Verſtändniß in Anwendung zu bringen.

Chawa, chawa ſoll die Mutter ihrem Kinde ſein, ſoll ſich am liebſten mit ihrem Kinde unterhalten die Kinder ſprechen und hören doch ſo gerne, ihr Ohrdurſtet nach dem unterhaltenden und belehrenden Wort,(iſt doch schama, hören, nichts als das geiſtige zama, durſten,) und auf dem Wege dieſer Unterhaltung nicht mit Mährchen dieſen Durſt

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