Aufsatz 
Von dem Zusammenwirken des Hauses mit der Schule
Entstehung
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pflegten Erziehungsaufgabe legen, ſie wird durch Klärung des ſittlichen Begriffsvermögens, durch Berichtigung und Schärfung des ſittlichen Urtheils, durch Pflege der Begeiſterung für ſittliche Ideale, und des Abſcheu's vor allem Unedlen und Gemeinen, jenen Geiſt und jene Geſinnung bei der ihr anvertrauten Jugend wecken und pflegen, die ſich be⸗ wußtvoll einem reinen Pflichtleben zuneigen und das Erziehungsgeſchäft des Hauſes er⸗ leichtern; ſie wird wenn ſie auch die Uebung eines etwaigen Strafamtes für häus⸗ liche Vergehen jederzeit ablehnen muß, doch ebenſo gerne Bemerkungen über das häusliche Verhalten ihrer Schüler entgegennehmeun und ihren lehrenden Einfluß zur Beſſerung des Einzelnen geltend machen, ſei es durch direkte private Vorſtellungen unter vier Augen, ſei es durch gelegentliche indirekte ganz allgemein gehaltene, belehrende Betonung des außer Acht gebliebenen, betreffenden ſittlichen Momentes, eine Weiſe, die ſich oft viel wirkſamer als die direkte Mahnung und Vorſtellung erweiſt; es wird die Schule, wenn ſie gleich keine Erziehungsanſtalt iſt und ſein kann, doch auch auf ihrem Standpunkte und von ihrem Standpunkte aus als treue eser kenegdo treu ergänzenden Erziehungsbeiſtand dem Hauſe zu leiſten haben.

Iſt aber die Schule berufen, für die vom Hauſe zu pflegende Charakter⸗ und Sit⸗ tenbildung ſich als treue Gehilfin zu bewähren, ſo muß wiederum die Schule ſelbſt für ihre geiſtbildende Unterrichtsarbeit in nicht geringem Maaße auf die treue Mitwirkſam⸗ keit des Hauſes rechnen.

Schon der Umſtand, daß die Schule das Kind erſt nach zurückgelegten fünf, ſechs Lebensjahren empfängt, daß ſomit das Kind ſeine erſten fünf, ſechs Jahre, Jahre des Erwachens und der Ertüchtigung für's Leben, unter Obhut und Leitung des Hauſes verbringt, legt die Grundlage auch aller geiſtigen Menſchenbildung in die Hände des Hauſes, vor allem in die Hände der Mütter, und wenn eine Mutter an dem fünf oder ſechsjährigen Knaben, den ſie der Schule übergibt, mütterlich das Ihre gethan, dann kann ihr geiſtiger Einfluß bereits auch die geiſtige Zukunft ihres Kindes entſchieden haben.

Wir haben ein Vater land und eine Vaterſtadt; aber Mutterſprache nennen wir die Sprache, in welcher unſer Gedankenleben zur Entwickelung und Aeußerung gelangt, und Mutterwitz den Geiſt des natürlichen verſtändigen Wiſſens. Denn es ſind die Mütter, denen wir Beides verdanken, verdanken ſollen. Chawa(Eva),Sprecherin, Gedankenſpenderin, nicht chajaLebensſpenderin, nannte der erſte Mann die erſte Mutter, und eine chawa, eine Sprache⸗ und Gedanken⸗Pflegerin ſollte jede Mutter dem Kinde werden, dem ſie eine chaja mit der Geburt geweſen. Sie, die rechte Mutter, und jede iſt die rechte, die es ſein will iſt noch em kol choi, iſt eine liebende Mutter